In der Union wird Kritik laut an Norbert Röttgens Doppelfunktion als Bundesumweltminister und Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen . Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer forderte Röttgen zu einem eindeutigen Bekenntnis auf. Der Süddeutschen Zeitung sagte er: "Wenn ich mich einer Aufgabe verschreibe, dann ohne Rückfahrkarte." Auch nach einer möglichen Wahlniederlage solle Röttgen als Oppositionsführer in Nordrhein-Westfalen bleiben.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion , Joachim Pfeiffer, äußerte Bedenken. "Eine Chance, in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, hat nur ein Kandidat, der sich ganz und gar der Sache verschreibt", sagte er. Es sei zwar nicht zwangsläufig nötig, dass Röttgen sofort seinen Kabinettsposten in Berlin aufgebe. "Aber es bedeutet, dass ein Kandidat bereit sein muss, auch nach der Wahl in Düsseldorf zu bleiben."

Pfeiffer nannte den früheren Bundesarbeitsminister und nordrhein-westfälischen CDU-Vorsitzenden Norbert Blüm als abschreckendes Beispiel. Ihm sei es nie gelungen, eine Landtagswahl zu gewinnen. "Es hilft unserer Sache nicht, wenn man Wahlen halbherzig angeht."

Umfragen sehen Mehrheit für Rot-Grün in NRW

SPD  und Grüne hatten zuvor bereits von Röttgen gefordert, sich aus der Bundesregierung zurückzuziehen. Röttgen hatte dies zurückgewiesen. Es sei der "Normalfall", dass aus der Regierungsverantwortung Wahlkampf gemacht werde. Weiterhin ließ er offen, ob er auch im Fall einer Niederlage als Oppositionsführer in Düsseldorf bleibe.

Nach einer Umfrage des Instituts infratest dimap für die ARD liegt Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen in der Wählergunst derzeit mit zusammen 52 Prozent Zustimmung vorne. Die SPD kommt demnach auf 38 Prozent, die Grünen auf 14 Prozent. Die CDU würde zum jetzigen Zeitpunkt 34 Prozent der Stimmen erhalten, die FDP nur zwei Prozent.

Röttgen nannte es auf N24 "albern", bereits jetzt Umfragen zu machen. "Wir fangen ja jetzt erst an."