Norbert Röttgen kennt das bereits. Schon einmal scheiterte der CDU-Politiker daran, dass er nicht verzichten konnte: Zum 1. Januar 2007 wollte er Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) werden, aber sein Mandat als Bundestagsabgeordneter trotzdem um jeden Preis behalten. Das akzeptierten weder die Lobbyisten noch seine Politiker-Kollegen, und am Ende bekam Röttgen den gut dotierten BDI-Job nicht.

In diesen Tagen erlebt er ein Déjà-vu in NRW : Er will sich nicht festlegen, ob er auch als Wahlverlierer nach Düsseldorf geht. Er hält sich die Option offen, in Berlin Umweltminister zu bleiben. Und wieder muss er für seine zweigleisige Strategie Kritik einstecken – vom politischen Gegner ebenso wie aus den eigenen Reihen .

Im Fall Röttgen geht es deshalb auch um die Frage: Darf ein Politiker bei der Karriereplanung ebenso egoistisch sein, wie es in allen anderen Berufen völlig selbstverständlich ist? Schlüsselminister in der Bundesregierung oder Oppositionsführer in der Provinz – Norbert Röttgen will sich den Job aussuchen können , der ihm wichtiger ist, in dem er mehr bewegen kann.

So unredlich, wie viele Kritiker suggerieren, ist das nicht. Denn in Berlin ist Röttgen als Organisator der Energiewende im Zweifelsfall wichtiger als auf der Düsseldorfer Oppositionsbank. Nicht zuletzt Angela Merkel dürfte deshalb nicht wirklich erfreut sein bei dem Gedanken, so kurzfristig einen Nachfolger finden zu müssen.

Das Dilemma war absehbar

Wichtiger und politisch brisanter sind die Folgen von Röttgens Nicht-Entscheidung für die CDU , auf Bundes- wie auf Landesebene. Diese Folgen muss der 46-Jährige mit bedenken, er darf seine Partei nicht für den persönlichen Vorteil beschädigen.

Zweifellos schwächt sein Zögern die NRW-CDU – und ihn als Spitzenkandidaten. Röttgen braucht die Parteibasis im Wahlkampf . Die einfachen Mitglieder sind es, die in den Fußgängerzonen stehen, seine Politik und auch seine Person bewerben und verteidigen müssen. Wenn sie aber selbst nicht wissen, was ihr Spitzenkandidat nach der Wahl vorhat, dürften ihnen Argumente und Lust dazu fehlen. Spricht man in diesen Tagen mit Landespolitkern, ist ihr Frust darüber schon jetzt deutlich zu spüren.

Der Landesverband ist allerdings selbst Schuld an seinem Schlamassel. Er hätte mit einer solchen Situation rechnen können, als sich die Mitglieder 2010 für den Bundespolitiker Röttgen und gegen den Landespolitiker Armin Laschet als neuen Vorsitzenden entschieden. Röttgens zwei Jobs in Berlin und Düsseldorf waren von Anfang an ein Problem, das jetzige Dilemma absehbar.