Der Saarländer ist im Allgemeinen sehr stolz auf seine regionale Identität. "Mir sinn halt so", ist ein gern getätigter Ausruf im äußersten Südwesten der Bundesrepublik. "Das ist saarländisch" , antwortet Alt-Landesvater Oskar Lafontaine , wenn er von Bundesjournalisten zu seiner derben Ausdrucksweise gegenüber dem politischen Gegner befragt wird.

In dem kleinen Bundesland wird der Dialekt so bewusst gepflegt wie die zwei Wangenküsschen zur Begrüßung. Der Saarländer fühlt sich frankophil, schließlich lebt er nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Er ist gesellig, "schwätzt" gern und hat Spaß an den schönen Dingen des Lebens, vor allem an gutem Essen. Zu den deutschen Nachbarn unterhält der Saarländer hingegen eine ironisch-distanzierte Beziehung: Es gibt im Saarland eine Menge Witze über tumbe "Pälzer".

Jeder Zweite für eine Fusion mit Rheinland-Pfalz

Und jetzt das: Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage fände es fast jeder zweite wahlberechtigte Saarländer "gut", wenn seine Heimat mit Rheinland-Pfalz zu einem Bundesland zusammengelegt würde. Vor allem über 60-Jährige und Beamte könnten einer Fusion etwas abgewinnen.

Eigentlich hätte das einen Aufschrei unter den so identitätsbewussten Saarländern auslösen müssen. Schließlich ist die Eigenständigkeit des nur eine Million Einwohner zählenden Bundeslandes ein Thema im aktuellen Landtagswahlkampf : In seltenem Einmut betonen alle Parteien, sie seien gegen eine Länderfusion – trotz des schier erdrückenden Schuldenberges und den höheren Kosten der Eigenverwaltung. Als politischer Selbstmord galt es bisher an der Saar , die Eigenständigkeit infrage zu stellen. Vielleicht thematisierte daher bislang kaum ein Politiker die heikle Forsa-Umfrage im Wahlkampf.

Schwierige Finanzlage befeuert die Diskussion

Denn die Politiker wissen nicht so recht, wie sie das ambivalente Ergebnis einschätzen sollen. Alle Erfahrungswerte sprächen eigentlich dafür, dass der Saarländer auch Saarländer bleiben wolle, heißt es aus den Parteizentralen von CDU und SPD . "Die Menschen sorgen sich um die Zukunft unseres Landes", sagt SPD-Chef Heiko Maas auf Nachfrage. Man müsse den Saarländern vielleicht "noch deutlicher aufzeigen, worin die Vorzüge der Eigenständigkeit liegen", betont seine Herausforderin, CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer .

Auch Christiane Krajewski ist dieser Ansicht. "Wir müssen die Bürger endlich aus dem Dornröschenschlaf holen", fordert die ehemalige saarländische Finanzministerin (SPD). Sie gehört zu einem Zusammenschluss illustrer Persönlichkeiten im Saarland, der sich Zukunftsinitiative Saar nennt und seit einiger Zeit Lobbyarbeit für die Eigenständigkeit des Bundeslandes macht. Die Mitglieder fürchten, dass sich die Diskussion über eine Fusion mit Rheinland-Pfalz in den kommenden Jahren intensivieren wird.

Denn die finanzielle Lage ist besorgniserregend: Knapp 13 Milliarden Euro Schulden hat das Saarland angehäuft. Jedes Jahr müssen daher 60 bis 80 Millionen Euro eingespart werden werden, um bis 2020 die grundgesetzlich vorgeschriebene Schuldenbremse einzuhalten. Fraglich ist auch, was bis dahin mit dem umstrittenen Länderfinanzausgleich passiert, von dem das Saarland allein im Jahr 2011 mit immerhin 120 Millionen Euro profitierte.