Dienstag wäre vielleicht ein guter Tag für Highway to hell gewesen. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer stimmt sich manchmal mit der Hardrock-Nummer auf Parlamentsdebatten ein. Der Song rufe in ihr eine kämpferische Grundstimmung hervor, erzählte die CDU-Frau einst.

Denn am Dienstag musste sich die Ministerpräsidentin einem für sie äußerst unangenehmen Termin stellen. Anderthalb Wochen vor der Landtagswahl ist sie vor den Untersuchungsausschuss des Landtages geladen worden: Die CDU-Politikerin soll 2009 als Kultusministerin die Öffentlichkeit getäuscht haben. Sie soll verschwiegen haben, dass ein umstrittenes Museumsprojekt in Saarbrücken erheblich mehr kosten würde als geplant.

So etwas kann wertvolle Stimmen kosten in einem Wahlkampf, in dem Christ- und Sozialdemokraten in den Umfragen nah beieinander liegen. Entsprechend konzentriert hat die CDU , die seit zwölf Jahren an der Saar regiert, den Auftritt der Regierungschefin vorbereitet. Am späten Nachmittag erscheint Annegret Kramp-Karrenbauer selbstbewusst im knallpinken Jackett.

Sie ist erst seit August Ministerpräsidentin, hat das Amt von Peter Müller übernommen, und dann überraschend im Januar die Jamaika-Koalition aufgelöst. Es ist ihr erster Wahlkampf als Spitzenkandidatin.

Die Pressemitteilung selbst abgeändert

Hochkonzentriert trägt Kramp-Karrenbauer ihre Erklärung vor. Sie habe das Projekt zur Erweiterung des Saarlandmuseums beim Amtsantritt als Kultusministerin  2007 von ihrem Vorgänger Jürgen Schreier (CDU) "ungeprüft" übernommen. Damals seien ihr keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Erst Anfang 2009 sei ihr zu Ohren gekommen, dass die veranschlagten Kosten von neun Millionen Euro nicht einzuhalten seien. In einem Kabinettsbeschluss vom 23. Juli 2009 war dann von 20,1 Millionen Euro die Rede.

20,1 Millionen Euro "Gesamtkosten", das stand Ende Juli auch in einem Entwurf für eine Pressemitteilung zum Spatenstich des neuen Museumsbaus. Das räumte Kramp-Karrenbauer am Dienstag vor dem Ausschuss ein. Doch die damalige Kultusministerin strich den Betrag eigenmächtig handschriftlich durch. Nur ein Betrag von 14,5 Millionen Euro sei wirklich "belastbar" gewesen, sagt Kramp-Karrenbauer heute. Andere Zusatzkosten hätten noch nicht festgestanden.