Vergessen Sie NRW ! Schon die Wahl am Sonntag im Saarland verspricht spannend zu werden. Und das gerade weil schon alles festzustehen scheint: CDU und SPD wollen eine große Koalition bilden, die beiden Spitzenkandidaten verstehen sich gut – persönlich, wie auf den entscheidenden Politikfeldern. "Wahlkampf ohne Wahl", kommentierte unlängst die Saarbrücker Zeitung resigniert. Alles schon entschieden also an der Saar ? Mitnichten. ZEIT ONLINE hat einige Gegenargumente zusammengetragen.

Es wird höllisch knapp – für alle

Er oder Sie? SPD-Chef Heiko Maas will nach dreizehn Jahren Opposition endlich Ministerpräsident werden, Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) denkt aber nicht daran, ihm den Chefstuhl zu überlassen. In dem Umfragen liegen beide seit Wochen gleichauf: Auf etwa 34 Prozent kamen Christ- und Sozialdemokraten zuletzt. Auch die Beliebtheitswerte der Spitzenkandidaten sind gleich hoch. Daher könnte es am Wahlabend zu einem Auszählkrimi kommen. Möglich, dass lange nicht klar sein wird, wer die Nase vorn hat. "Jeder kann dieses Mal mit seiner Stimme den Ausschlag geben", pflegen Maas und Kramp-Karrenbauer im Wahlkampf treffend zu sagen.

Auch die kleinen Parteien zittern . Nicht nur die FDP zweifelt insgeheim am Wiedereinzug in den Landtag. Auch die Grünen stehen in den Umfragen nur bei vier bis fünf Prozent. Viele Saarländer haben ihnen nicht verziehen, dass sie 2009 mit CDU und FDP eine (chaotische) Regierung gebildet haben. Die Bundesgrünen verweisen schon mal vorsorglich darauf, dass im Saarland eine "besondere Situation" vorherrsche. Aber nach den jüngsten Personalquerelen hat in Berlin keiner Lust auf weitere negative Schlagzeilen.

Die Piraten hingegen dürften in den zweiten Landtag kommen. Spannend ist das auch wegen der Struktur der Landespartei : Hier sind die Mitglieder älter und gesetzter als in Berlin, ob sie auch eine andere Oppositionspolitik machen werden, bleibt abzuwarten.

Politische Karrieren stehen auf dem Spiel

Für Kramp-Karrenbauer und Maas steht persönlich sehr viel auf dem Spiel. Der SPD-Kandidat ist schon zweimal erfolglos bei Landtagswahlen angetreten, 2009 wähnte er sich bereits als Ministerpräsident einer rot-rot-grünen Koalition. Seine Absprache mit den Grünen platzte aber in letzter Minute. Das hat Maas angreifbar gemacht. Dieses Mal stehen die Chancen für seine SPD deutlich besser. Sollte Maas aber am Ende doch überraschenderweise einige Prozentpunkte hinter der CDU liegen, könnte es seiner politischen Karriere schaden. Gänzlich unumstritten ist er in der Partei nicht mehr.

Ähnlich verhält es sich bei Kramp-Karrenbauer. Die 49-Jährige ist zwar seit zwölf Jahren im Kabinett, aber erst seit August 2011 Ministerpräsidentin. Sie übernahm die laufenden Amtsgeschäfte von ihrem Vorgänger Peter Müller. Sollte Kramp-Karrenbauer in ihrer ersten Wahl als Spitzenkandidatin enttäuschend abschneiden, könnten ihre Tage an der Spitze des Männervereins CDU, wie man im Saarland sagt, gezählt sein. Maas und Kramp-Karrenbauer haben offen gelassen, ob sie auch als Minister ins Kabinett des jeweils anderen gehen würden.

Wegbereiter für den Bund? Große Koalition der Sparer

Was die enorme Pro-Kopf-Verschuldung betrifft, so kann das Saarland problemlos mit NRW mithalten. CDU und SPD wollen vor allem koalieren, damit das Land stabile politische Verhältnisse hat, um die anstehenden harten Einsparungen bewältigen zu können. So könnte die große Koalition durchaus ein Wegbereiter für Berlin sein. Dort weiß man schon länger, dass die Kanzlerin zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise den Sozialdemokraten eher vertraut als ihrem aufgewühlten Koalitionspartner FDP.