Die FDP ist im Saarland in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken. Nun kann es sein, dass die Liberalen ihren politischen Kurs verschärfen und sich durch unbequemes Auftreten Aufmerksamkeit verschaffen. So fürchten es zumindest Vertreter der Union, mit der die FDP auf Bundesebene gemeinsam regiert. Nicht ohne Grund: Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn verlangte nach der 1,2-Prozent Blamage zur Landtagswahl bereits, seine Partei müsse sich stärker absetzen. "Die FDP muss sich deutlicher positionieren als die anderen Parteien", sagte er der Financial Times Deutschland. "Präzise und scharf formulierte Aussagen werden uns gut erkennbar machen", sagte Hahn. "Wir müssen uns dabei deutlich von der Union absetzen – die FDP darf nicht sozialdemokratisiert werden."

Die Kampfansage hat die anstehenden Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zum Hintergrund, wo die FDP den siebenten und achten Rauswurf aus einem Landesparlament verhindern will. Im anstehenden Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen müsse die Partei stark auf die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen setzen, empfahl Hahn. Bundes-Generalsekretär Patrick Döring ergänzte, in beiden Bundesländern werde die FDP "mit eigenen Themen, mit eigener Stärke und überzeugendem Personal Wählerstimmen mobilisieren".

Der Ton zwischen Union und FDP ist bereits angespannt, die Liberalen fürchten angesichts ihrer Stimmenverluste einen scharfen Schnitt in Berlin . Denn gegen eine praktisch bedeutungslose Partei könnte die Union durchsetzen, was sie will – oder sich zugunsten der SPD oder einer Neuwahl gleich von ihr entledigen.

Vorratsdaten, NPD, Praxisgebühr

Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki warnte CDU und CSU bereits vor Absetzversuchen. "Die Union sollte nicht die Gunst der Stunde nutzen und sich aus einer laufenden Koalition durch Verrat verabschieden", sagte er der Leipziger Volkszeitung.

Konfliktstoff zwischen Union und FDP gibt es genug: In Sachen Vorratsdatenspeicherung stehen sich die Regierungspartner diametral gegenüber, auch beim geplanten Versuch, die NPD zu verbieten, bremsen die Liberalen, CDU und CSU machen dagegen Schritt. Erst kürzlich brachte die FDP die Abschaffung der Praxisgebühr ins Spiel, zum Ärger der Unionsleute. Noch in diesem Jahr könnte sich die FDP zudem mit der Erhöhung der Zuverdienstgrenze für Hartz-IV-Empfänger profilieren.

CDU hat noch Hoffnung

In der Union ist man sich dessen bewusst. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier warnte den Partner vor Konfrontation: Er hoffe "auf einen gewissen Nachdenkeffekt", sagte der aus dem Saarland stammende CDU-Politiker . "Das gilt für alle, das gilt auch für unseren Koalitionspartner." Die Menschen wollten nicht, dass parteipolitische Interessen im Vordergrund stehen. "Sie wollen, dass die Probleme des Landes gelöst werden", sagte er im Deutschlandfunk .

Im Konrad-Adenauer-Haus hat man die Hoffnung für die FDP noch nicht aufgegeben. Noch sei es zu früh, davon auszugehen, dass die Freien Demokraten von der politischen Bühne verschwänden, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe . Er kündigte einen fairen Umgang mit dem Koalitionspartner an. "Wir wollen, dass die FDP zu Kräften kommt."

Hochnervöse Liberale

Die FDP-Führung hatte das desaströse Ergebnis an der Saar bisher heruntergespielt und mit landesspezifischen Besonderheiten begründet. Es gelte, sich auf die Wahlen im Norden und Westen zu konzentrieren, wo die Spitzenkandidaten Kubicki und Christian Lindner "in einem völlig anderen Umfeld gute Ergebnisse erkämpfen" würden, sagte Döring. Sollte die Prophezeiung nicht eintreffen, dürfte dies sich auf die Koalition auf Bundesebene auswirken. Ein erneuter Wechsel an der FDP-Bundesspitze könnte auch eine Kabinettsumbildung nach sich ziehen.

Wie nervös die Liberalen sind, zeigt eine Warnung des Gesundheitsministers Daniel Bahr an seine eigene Partei: "Ich rate uns allen, jetzt die Nerven zu bewahren", sagte er angesichts des Wahldesasters. In der Partnerschaft mit der Union sei jetzt "gelassene Sacharbeit" dran. "Und nicht überlegen, wie man Konflikte sucht und um des Teufels willen für die Wahlen irgendetwas nach vorne treibt."