In der CDU-Führung gibt es einem Zeitungsbericht zufolge Bestrebungen, die Einführung des Betreuungsgelds doch noch zu verhindern. Statt Eltern das Geld auszuzahlen, sollen sie lediglich höhere Rentenansprüche erwerben, wenn sie ihre Kinder zu Hause betreuen, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Mitglieder des CDU-Präsidiums. Damit solle der Anreiz für finanzschwache Familien sinken, ihr Kind aus einer Betreuungseinrichtung zu nehmen, um mehr Geld zu Verfügung zu haben.

Der Vorteil gegenüber einer Barauszahlung sei zudem, dass die finanziellen Belastungen für den Bund von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich erst deutlich später wirksam würden. Der Zeitung zufolge arbeitet Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen bereits an einer Umsetzung dieser Variante, die mit dem Kanzleramt und der Fraktionsführung abgestimmt sei. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, ein Kompromiss könnte auch die Wahlmöglichkeit zwischen Bargeldauszahlung und Rentenanrechnung sein.

Das Vorhaben der CDU dürfte zu Streit mit dem Koalitionspartner CSU führen. Die bayerische Schwesterpartei beharrt auf der Einführung des Betreuungsgelds als Barzahlung ohne Sonderregelungen . Zunächst 100 und später 150 Euro sollen Familien den Plänen zufolge bekommen, wenn sie ihre Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen.

FDP spricht wieder von Steuerentlastungen

In der CDU gibt es wachsenden Widerstand gegen das Betreuungsgeld, auch wenn die Parteispitze offiziell bislang daran festhält . 23 Bundestagsabgeordnete hatten bereits angekündigt, gegen die Einführung stimmen zu wollen. Auch der CDU-Wirtschaftsrat kritisiert nun das Vorhaben: Gesamtwirtschaftlich sinnvoller wäre es, die für das Betreuungsgeld vorgesehenen Mittel für den versprochenen Ausbau des Kindertagesstätten-Angebots einzusetzen", sagte sein Präsident Kurt Lauk dem Handelsblatt .

Bei den Liberalen gibt es ebenfalls Versuche, das Betreuungsgeld zu hintertreiben. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow will die Zustimmung mit der Debatte um Steuerentlastungen verknüpfen. "Wir sind vertragstreu, aber das darf keine Einbahnstraße sein", sagte Zastrow der Rheinischen Post. "Wir sollten mit einer Zustimmung zum Betreuungsgeld unsere Koalitionspartner auch an andere Themen im Koalitionsvertrag erinnern, die bisher nicht angepackt wurden, etwa die Vereinfachung des Steuersystems und die Entlastung der berufstätigen Mitte", sagte er.