Es sollte Wahlkampf mit hohem Unterhaltungsfaktor werden, kurz vor den Landtagswahlen am 6. Mai in Schleswig-Holstein . Die FDP lud am Freitagabend in Rendsburg unter freiem Himmel zum Polit-Boxen ein. Die Kontrahenten: FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki und sein Pendant Robert Habeck von den Grünen .

Im vergangenen Sommer hatte Kubicki bereits den SPD-Landeschef Ralf Stegner herausgefordert. Initiator war damals wie heute Stefan Joachim Dohm vom Ortsverband der Liberalen. Der war froh, dass in diesem Jahr trotz niedriger Temperaturen immerhin knapp 300 Neugierige Lust auf Politik zeigten.

Dohm und sein Ortsverband hatten versucht, die Boxringatmosphäre so authentisch wie möglich zu gestalten. Vor dem Einmarsch der Wahlkämpfer hüllte eine Nebelmaschine den Ring erst einmal ein. Als Aufputsch-Musik wurde ein Uralt-Hit von Gianna Nannini durch die Lautsprecher gejagt, vor den ersten Runden stakste ein Nummerngirl herum. Ein Gong war aufgebaut, zwischen den beiden Polit-Boxern stand quasi als Ringrichter ein Moderator, der die Stichworte und Fragen an Kubicki und Habeck lieferte.

Bevor der verbale Schlagabtausch zwischen dem Spitzenkandidaten der Liberalen und dem der Grünen dann tatsächlich losging, verriet Dohm noch, dass der CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager eine Kubicki-Herausforderung mit der Begründung abgelehnt hatte, es passe nicht in sein Wahlkampfkonzept. Und die Absage von SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig lautete Dohm zufolge, dies sei nicht sein Format. Für jemanden, der Ministerpräsident werden möchte, seien das doch schwache Argumente, sagte der Gastgeber.

"Weg vom Stammtischgequatsche"

Auch die Piratenpartei nahm Dohm aufs Korn, als er im Publikum eine kleine Clique mit deren Parteiflagge ausmachte: "Es geht um klare Aussagen und Schlagfertigkeit, weg vom Stammtischgequatsche." Der starke Zuspruch für die Senkrechtstarter der Piraten – nach der jüngsten Umfrage liegen sie in Schleswig-Holstein bei elf Prozent – ärgert sowohl die FDP (4 Prozent), die nicht mehr im künftigen Landtag vertreten wäre, als auch die Grünen (12 Prozent), die so wohl eine erhoffte Regierungsmehrheit mit der SPD verpassen dürften.

Der Grüne Habeck ging dann von der ersten Minute an in die Offensive: "Ich bin hier, um den Kubicki ein wenig zu ledern!" Er musste im Wechsel mit seinem Kontrahenten zu jeweils drei unterschiedlichen Themen seine Statements abgeben. Es folgten Fragen der Besucher, ehe das Duell mit einer Schlag-auf-Schlag-Runde endete, bei der beide Kontrahenten nur kurz mit ja oder nein antworten durften.

Der gewiefte Anwalt Kubicki warf Habeck vor, Verträge nicht einhalten zu wollen. Der 42-jährige Grüne wiederum zitierte beim Thema Bildung ausgerechnet den alten FDP-Slogan, dass sich Leistung wieder lohnen müsse. Es dürfe eben nicht die soziale Herkunft oder fehlende Förderung zu einer Karrierebremse führen. Und er erinnerte mit dem Satz "Bildungspolitik kann an einer warmen Mahlzeit scheitern" an den bekannten Soziologen und früheren Liberalen Ralf Dahrendorf .