Unionsfraktionschef Volker Kauder hat den hinausgeworfenen Bundesumweltminister Norbert Röttgen vor einer Abrechnung mit der eigenen Partei – und Kanzlerin Angela Merkel – gewarnt. In der Union könne grundsätzlich jeder seine Meinung sagen, sagte Kauder der Bild . "Vor allem für uns, die wir Verantwortung tragen, muss aber gelten: Zuerst kommt das Land und die Menschen, dann erst die Partei und ganz zum Schluss komme ich."

Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, Röttgen wolle die bisherige Darstellung der Umstände seiner Entlassung öffentlich korrigieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm vor der Nordrhein-Westfalen-Wahl versichert, selbst bei einer Niederlage als Minister für die Energiewende unverzichtbar zu sein.

Merkel hatte Röttgen nach dem Rekordtief für die CDU bei der NRW-Wahl dennoch am Mittwoch von seinen Aufgaben entbunden. Sein Nachfolger im Amt des Umweltministers soll Peter Altmaier werden, der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag.

Kauder findet Entlassung richtig

Fraktionschef Kauder rechtfertigte die Entlassung Röttgens : "Die Energiewende braucht einen starken Minister." Deshalb sei es nachvollziehbar, dass die Kanzlerin nach dem Wahldebakel so reagiert habe.

Ausweichend antwortete Kauder auf die Frage, ob Röttgen seinen CDU-Vizeposten aufgeben solle: "Das ist seine Entscheidung – und er ist ja manch gutem Rat vor der Landtagswahl nicht gefolgt." Berichten zufolge will Röttgen CDU-Vize bleiben und im kommenden Jahr auch wieder für den Bundestag kandidieren.

Aufruf zur Konzentration

Angesichts der entstandenen Unruhe in der Koalition nach der NRW-Wahlniederlage und der Röttgen-Entlassung forderte Kauder die Regierungsparteien auf, sich auf die Lösung der strittigen Fragen zu konzentrieren. "Also das sind noch ein paar schwere Brocken, die noch in den letzten Wochen vor der Sommerpause gemacht werden müssen. Darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren", sagte er in der ARD .

Die schwarz-gelbe Koalition hatte sich zwar schon am Wochenende bemüht, den Blick wieder nach vorn zu richten: Nach interner Kritik an Röttgens Entlassung erhielt Merkel überwiegend Rückendeckung aus der Union. Das NRW-Wahlfiasko ließ jedoch die interne Debatte um ein konservativeres Profil der CDU wieder aufflammen. Union und FDP wollen aber bei einem Treffen der Parteichefs in dieser Woche Handlungsfähigkeit demonstrieren.