Es war die kleinere der beiden Landtagswahlen im Mai. Dennoch geht von der Abstimmung in Schleswig-Holstein ein wichtiges Signal aus. Denn sie lässt ahnen, was passieren könnte, wenn spätestens im kommenden Jahr ein neuer Bundestag gewählt wird.

Zwei Erkenntnisse lassen sich von dieser Wahl ableiten. Die erste: Die SPD hat ungeheure Mühe, eine Wahl zu gewinnen . In Schleswig-Holstein half ihr weder die starke Wechselstimmung noch der beliebte Spitzenkandidat Torsten Albig .

Bei der nächsten Bundestagswahl werden die Sozialdemokraten es aber nicht bloß mit der Union aufnehmen müssen, sondern auch mit Angela Merkel . An ihrem Amtsbonus aber kommen kein Peer Steinbrück , kein Frank-Walter Steinmeier und erst recht kein Sigmar Gabriel vorbei.

Die SPD wird sich also wohl damit abfinden müssen, ihre nähere Zukunft hinter der Union zu verbringen. Das kratzt am Selbstbewusstsein. Wirklich problematisch ist es aber nicht.

Denn die zweite Erkenntnis lautet: Die parlamentarische Demokratie, die so gern als unbeweglich, altbacken und weltfremd beschimpft wird, ist lebendiger denn je. Sechs Parteien ziehen in den künftigen Landtag in Kiel ein. Sieben Parteien könnten im nächsten Bundestag vertreten sein, wenn man CDU und CSU einzeln zählt (was nicht erst seit dieser Legislaturperiode ratsam ist).

Beweglicher Parlamentarismus, unbewegliche Parteien

Mehr Parteien im Parlament, heißt es oft, mache die Regierungsbildung schwerer. Diese Klage aber zeugt mehr von Sehnsucht nach alten Zeiten denn von analytischer Tiefe. Tatsächlich sind in einem Sechs- oder Sieben-Parteiensystem Koalitionen nur dann schwierig, wenn sich die Parteien als zu unbeweglich erweisen, andere als die üblichen Bündnisse auszuprobieren.

Rot-Grün, Schwarz-Gelb und zur Not eine Große Koalition – das war jahrelang der Fundus, aus dem sich in Deutschland Regierungen bildeten. Doch damit ist es vorbei. Für rot-grüne oder schwarz-gelbe Koalitionen fehlt nicht nur in Schleswig-Holstein die Mehrheit, auch auf Bundesebene werden sie nicht mehr so schnell wiederkommen.