Der Machtkampf um die künftige Führung in der Linkspartei wird immer schärfer. Anlass ist ein gescheitertes Krisengespräch der Parteispitze, bei dem der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine eine Einigung mit seinem parteiinternen Konkurrenten Dietmar Bartsch abgelehnt hatte. Daraufhin warf Parteichef Klaus Ernst Bartsch indirekt eine destruktive Haltung vor, weil dieser nicht auf seine Kandidatur für den Parteivorsitz verzichten will. Gleichzeitig distanzierte sich erstmals der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi von Lafontaine – was ungewöhnlich ist.

Gysi, der bislang zu Lafontaines Unterstützern zählte, teilte mit , niemand könne Bartsch nun verübeln, wenn er seine Kandidatur aufrechterhalte. Grund sei, dass bei einem Gespräch am Wochenende Lafontaine Bartsch auch nicht als Bundesgeschäftsführer akzeptiert habe. Noch in der vergangenen Woche hatte sich Gysi für Lafontaine als Parteichef ausgesprochen .

Ernst, Lafontaine und Bartsch hatten sich am Sonntagabend getroffen, um den seit Wochen schwelenden Streit um die künftige Besetzung der Parteispitze beizulegen: Auf dem Parteitag am 2. und 3. Juni soll eine neue Doppelspitze gewählt werden. Ex-Parteichef Lafontaine ist grundsätzlich für eine Kandidatur bereit , verlangt aber, dass kein anderer gegen ihn antritt. Bundestagsfraktionsvize Bartsch hat bisher als einziger seine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt und will davon nicht abrücken.

Ernst kritisiert Gysis Mitteilung

Ernst sagte nach einer Sitzung des geschäftsführenden Parteivorstands, es bleibe dabei, dass Lafontaine nicht in einer Kampfkandidatur gegen Bartsch antreten werde. Eindeutig geklärt worden sei zudem, dass Lafontaine nur dann als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2013 zur Verfügung stehe, wenn er auch zum Parteichef gewählt werde.

Die Pressemitteilung von Gysi bezeichnete Ernst als verwirrend. Er könne ihren Tenor nicht recht nachvollziehen. Bei dem Treffen am Sonntag sei nicht über die Frage gesprochen worden, wer Bundesgeschäftsführer werden könne.

Ernst kritisierte Bartsch allerdings nur indirekt: "Ich möchte mahnend erwähnen, dass wenn die destruktiven Kräfte in der Linken sich durchsetzen, im Ergebnis die Linke in Deutschland schwächer sein wird, als die PDS je war", sagte er. Als destruktiv bezeichnete er die Kräfte, die seine Partei schwächen würden. Die Linke verliere vor allem in Westdeutschland. Wer das nicht berücksichtige, gefährde die Partei. Nur Lafontaine sei in der Lage, die Linke in den alten Bundesländern wieder nach oben zu führen.

Ost-Reformer gegen West-Fundamentalisten

Auf die Frage, ob er mit den destruktiven Kräften Bartsch gemeint habe, sagte Ernst: "Ich werde jetzt keine Personen nennen." Bartsch, der über die SED und später die PDS zur Linkspartei gekommen ist, gilt als Vertreter des Reformflügels seiner Partei. Der ist vor allem in ostdeutschen Landesverbänden stark und eher als der fundamentalistische Flügel bereit, Kompromisse für Regierungsbeteiligungen einzugehen. Der ehemalige SPD-Chef Lafontaine propagiert dagegen einen strikt oppositionellen Kurs, der Koalitionen nur zulässt, wenn die Forderungen der Linken weitgehend erfüllt werden.

Nach den Statuten der Linkspartei können zwei Frauen oder ein Mann und eine Frau die Partei führen . Eine männliche Doppelspitze ist ausgeschlossen. Ernst sagte, er führe auch Gespräche mit Frauen, die sich für den Parteivorsitz bewerben könnten. Namen wolle er nicht nennen.