"Was für ein toller Abend!" Eben hat sich Hannelore Kraft noch die Freudentränen aus den Augen gestrichen. Jetzt steht sie, eingerahmt von Mann und Sohn, auf der Bühne in der Düsseldorfer Diskothek 3001. Vor ihr hüpfen begeisterte Anhänger, jubeln, toben und skandieren Sprechchöre.

Kurz macht sie es: Alle Wahlziele erreicht, Rot-Grün endlich mit ordentlicher Mehrheit , ein klares Signal nach Berlin. Konkreter will die Ministerpräsidentin nicht werden.

Den siegestrunkenen Genossen ist es gleich. Das ist ihr Triumph. Erstmals seit zwölf Jahren ist die SPD wieder stärkste Partei in ihrem Stammland. Die CDU hat sie um lockere zehn Prozentpunkte hinter sich gelassen. Gemacht hat das die Frau, die dort auf der Bühne steht und sagt, sie sei total kaputt nach diesem Wahlkampf. "Mülheimer Straßenbahnfahrertochter schlägt Berliner Schnösel", sagt einer der feiernden Sozialdemokraten. Was für eine Geschichte. 

Darin sieht sich der Parteisoldat mit den Wahlforschern einig: Kraft hat den entscheidenden Anteil an diesem Wahlergebnis . Sie ist wesentlich beliebter und glaubwürdiger als ihr CDU-Herausforderer Norbert Röttgen und hat ihn deklassiert. Nicht wenige der siegestrunkenen Genossen trauen ihr jetzt alles zu, selbstredend auch die nächste Kanzlerkandidatur.

Gleich nebenan wird noch ein Retter gefeiert, in einem gläsernen Foyer am Medienhafen. Strahlend kämpft sich Christian Lindner durch einen Pulk aus Fotografen. Die Liberalen sind bärenstolz auf ihren 33-jährigen Spitzenkandidaten. Er hat die FDP übernommen, als sie in den Umfragen noch bei zwei Prozent dümpelte, keine zwei Monate ist das her. Nun ist sie bei 8,5 Prozent gelandet.

Viele Liberale, die man lange schon nicht mehr fröhlich sah, sind richtig aufgekratzt. Guido Westerwelle hat die Krawatte abgelegt und kichert mit Parteifreunden. Auf einem Bildschirm ruft derweil Parteichef Philipp Rösler aus Berlin , endlich würden die Menschen der FDP "wieder zuhören". Was für ihn selbst nicht wirklich gilt, jedenfalls nicht auf dieser Düsseldorfer Wahlparty.

Noch mehr Sieger, diesmal sind sie grün. Obwohl – verbessert haben sie sich nicht, jedenfalls im Vergleich zum vorangegangenen Wahlergebnis. Zwölf Prozent sind es abermals geworden. Die große öffentliche Fokussierung auf das Duell Kraft gegen Röttgen habe es ihnen nicht gerade leicht gemacht, sagt Spitzenkandidatin Sylvia Löhrman.