Auf der Wahlparty der SPD-Fraktion im Kieler Landtag steht Heide Simonis , weißes Jackett, schwarzer Rock mit Spitze, der Lippenstift sorgfältig nachgezogen. Sie weiß: Gleich werden alle Kameras auf sie gerichtet sein, die ehemalige SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein .

Sieben Jahre ist ihr Sturz jetzt her: Simonis hatte 2005 versucht, ein rot-grünes Bündnis unter Tolerierung der Partei der dänischen Minderheit zu gründen. Nur eine Stimme Mehrheit gab es dafür – und genau diese eine Stimme versagte ihr ein Unbekannter bei der Wiederwahl zur Regierungschefin. Der "Heide-Mörder" ist bis heute nicht identifiziert.

An diesem Wahlabend hoffen sie bei der SPD daher wenigstens auf einen dicken Vorsprung für ein Bündnis mit den Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband. Nicht nur, dass es für Rot-Grün den Umfragen zufolge schon lange keine Mehrheit mehr gab, nein, auch für die sogenannte Dänen-Ampel schien es eng zu werden. Das ruft bei den Sozialdemokraten unangenehme Erinnerungen hervor.

Wiederholt sich jetzt Geschichte, Frau Simonis?

Heide Simonis kann sich daher ein enttäuschtes "Uuh" nicht verkneifen, als die Befürchtungen in der ersten Wahlprognose bestätigt werden: Die CDU ist ebenso stark wie die SPD. Dabei hatte SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig seinen Herausforderer Jost de Jager in allen Beliebtheitsumfragen immer glasklar geschlagen. Außerdem sieht es so aus, als habe die Dänen-Ampel nur eine Stimme Mehrheit. 

Wiederholt sich jetzt Geschichte, Frau Simonis? "Hoffentlich nicht", sagt die 68-Jährige und lacht leise. Erst mal das offizielle Endergebnis abwarten, rät sie: "Bei uns war das damals erst nachts um zwei endgültig klar." Sie sei schon für eine Dänen-Ampel, aber sie werde niemandem "ungebetene Ratschläge" geben. Die SPD müsse aber auch darüber nachdenken, warum sie die Wähler nicht habe mobilisieren können. Dann huscht Heide Simonis davon, entschuldigt sich lächelnd – "ein junger Mann" erwarte sie zum Fernsehinterview.

Dafür kommt Torsten Albig . Er ist enttäuscht: Einen sehr bürgernahen Wahlkampf hat er geführt, und jetzt hat er nicht besser abgeschnitten als CDU-Kandidat de Jager, den er so gern als herzlosen Spar-Technokraten hinstellt. "Das war nicht das, was ich euch versprochen habe", sagt Albig zu seinen Anhängern.

Doch werde es in jedem Fall eine Regierung mit einer starken SPD geben, betont der Kandidat auch mit Blick auf die Notoption Große Koalition. Sein Favorit sei die rot-grün-blaue Koalition. Zur Not werde man eben "starke Ein-Stimmen-Mehrheiten" organisieren. Die SPD-Anhänger klatschen ihm aufmunternd zu.

Später steht Albig mit Landeschef Ralf Stegner zusammen und trinkt ein "Flensburger"-Bier. Doch die beiden schweigen.