Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ( CSU ) hat sich unzufrieden mit der bisherigen Bilanz der Bundesregierung beim Atomausstieg gezeigt. In der Süddeutschen Zeitung drohte er deshalb bayerische Sonderwege an: Seehofer stellte die Rückkehr zu einem eigenen staatlichen Energieversorger in Aussicht, wenn die Koalition in Berlin nicht zu schnellen Lösungen komme. "Dann gründen wir ein Bayernwerk", sagte der CSU-Chef.

Das würde eine Rückkehr zur Stromwirtschaft bedeuten, wie sie vor der Privatisierungspolitik von Ministerpräsident Edmund Stoiber bestanden hatte. Damals ging das traditionsreiche Bayernwerk bei einer Großfusion im damals neuen Energieversorger E.ON auf. Zwar seien ihm marktwirtschaftliche Lösungen lieber, aber staatliche wären auch denkbar, sagte Seehofer.

Der Ministerpräsident kritisierte vor allem den Stillstand beim Bau neuer Gaskraftwerke . Die Energiewirtschaft wartet auf Förderzusagen. Bayern will dem Bericht zufolge mit bis zu fünf Gaskraftwerken einen Großteil der Stromlücke schließen, die sich nach dem Abschalten der bestehenden Kernkraftwerke bis zum Jahr 2022 ergibt.

Wirtschaft fordert bessere Koordinierung der Energiewende

Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) will heute mit den 16 Ministerpräsidenten der Länder über die Probleme bei der Umsetzung der Energiewende beraten. Auf der Tagesordnung im Kanzleramt stehen der stockende Stromnetzausbau, die fehlenden Investitionen in neue Gaskraftwerke als Ersatz für die wegfallenden Atomkraftwerke und ein drohendes Ausufern der Kosten für die Bürger. Zudem soll über weitere Maßnahmen zum Energiesparen gesprochen werden, etwa bei der Gebäudesanierung.

An dem Energiegipfel nimmt auch der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) teil, der am Dienstag als Nachfolger von Norbert Röttgen sein Amt angetreten hatte. Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) werden dabei sein.

Seit Wochen mehren sich die Äußerungen aus Wirtschaft und Industrie, dass die Energiewende dringend eines klaren Fahrplans und einer besseren Koordinierung bedürfe, zudem fehlt bisher eine Abstimmung der Energiekonzepte von Bund und Ländern. Hinzu kommt der ungelöste Streit um die Solarförderung , deren Kosten die Bürger über den Strompreis zu zahlen haben. Als ein Modell zur Entlastung der Bürger wird auch über eine Senkung der Stromsteuer nachgedacht. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) forderte die Länder zu einer stärkeren Kooperation beim Ausbau der Stromtrassen auf.