Die SPD lädt zur Endspurt-Party im Wahlkampf nach Bochum . Und der Andrang ist enorm. Busse, vollgepackt mit Genossen aus allen Teilen des Bundeslandes, rollen den Hügel zur Jahrhunderthalle hinauf. Die Halle ist schon lange vor Beginn voll. So voll, dass die Feuerwehr zwischenzeitlich anordnet, keinen mehr hineinzulassen. Auch sonst ist die Party nicht frei von Organisationspannen: Weil diverse Spitzenpolitiker noch irgendwo im Ruhrpott-Stau feststecken, geht’s mit einiger Verspätung los.

Aber kein Grund, sich die gute Stimmung verderben zu lassen. In zwei Tagen wird im größten Bundesland der Republik gewählt – und die SPD steht glänzend da. In den Umfragen hat sie mindestens fünf Prozentpunkte Vorsprung vor der CDU . Dass Hannelore Kraft Ministerpräsidentin bleibt, ist so gut wie sicher.

Kein Wunder, dass sich die Berliner SPD-Spitzenpolitiker derzeit gern mit ihr fotografieren lassen. Nach Bochum ist eine illustre Runde gekommen: alle drei potentiellen Kanzlerkandidaten, die die SPD derzeit zu bieten hat. Die "drei Ks", nennt sie ein Genosse mit rheinischem Dialekt.

Um kurz nach sechs marschieren sie ein. Sie betreten in einer Reihenfolge die Halle, wie sie vermutlich den Hierarchievorstellungen von Sigmar Gabriel entspricht: Vorn läuft Kraft, die Gastgeberin. Gleich dahinter kommt er, der Parteichef. Und dann erst, im Gleichschritt, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier .

Gabriel gibt den generösen Vorsitzenden

Gabriel beginnt mit einer kurzen Rede, die einem Loblied auf Kraft gleicht. Er sei nicht hier, weil "die Hannelore " ihn zur Unterstützung brauche, sondern aus Dankbarkeit: Mit ihrem ersten Wahlsieg habe 2010 die "Wiederauferstehung" der SPD begonnen, seither gehe es mit seiner Partei bergauf, sagt Gabriel. Er unterschlägt dabei großzügig, dass seine Bundes-SPD noch immer unter der 30-Prozent-Marke herumdümpelt.

Gabriel macht, was er gut kann. Er gibt den integrierenden, generösen Parteivorsitzenden. Durchaus selbstironisch schmeichelt er der Wahlkämpferin und der Basis. Er lobt den Zusammenhalt der Partei – und keilt gegen den politischen Gegner, das gerne polemisch und zugespitzt: "Wegen der Politik von Frau Merkel" seien in den Krisenländern der EU nun "50 Prozent der jungen Menschen arbeitslos", wettert er. Auch die SPD sei für den Schuldenabbau, beteuert Gabriel, aber eben auch gegen unsoziale Politik. Die werde es in NRW zumindest auch künftig nicht geben, endet er. Denn: Am Sonntag sei "Landesmuttertag".

Steinbrück doziert

Die beiden anderen Ks bekommen kein so großes Podium geboten wie Gabriel. Steinbrück und Steinmeier halten keine Rede, sondern dürfen sich nur an einer kurzen Talkrunde beteiligen. Von vier anderen SPD-Politikern eingerahmt, bekommen beide genau eine Frage gestellt, die sie jeweils in einigen wenigen Minuten beantworten.

Zuerst ist Steinbrück dran, der Lieblingskanzlerkandidat von Gerhard Schröder . Steinbrück habe "alle Aussicht auf Erfolg", ließ der Alt-Kanzler am Freitag, kurz vor Bochum, mitteilen. In seinem kurzen Statement gibt Steinbrück dann ebenfalls seine Paraderolle, die des Weltökonomen: Man könne sich "auch zu Tode sparen", warnt er an die Adresse von Schwarz-Gelb. Der eingeschlagene Konsolidierungskurs führe zur Rezession und "Verarmung ganzer Länder". Es komme auf die "richtige Dosierung" an – und auf "Impulse für Wachstum und Bildung", doziert er.