Will Norbert Röttgen wirklich bald öffentlich, gar per Fernsehinterview, mit der Kanzlerin abrechnen? Die Bild- Zeitung behauptet, dies von "Vertrauten" des gefeuerten Ministers erfahren zu haben. Seitdem ist die Aufregung groß. In der Bundes-CDU versucht man einerseits, das Thema herunterzuspielen: Die Quellenlage des Berichts sei sehr vage. "Er wird sich im Moment ganz sicher nicht zu den Ereignissen äußern", sagt auch Röttgens Sprecherin Julika Lendvai von den nordrhein-westfälischen Christdemokraten auf Anfrage von ZEIT ONLINE.

"In der Union kann jeder seine Meinung sagen"

Dennoch traut man in der Bundespartei dem gefallenen Star inzwischen fast alles zu: Röttgen gilt als durchaus eitel und stur. Als Merkel ihm vergangene Woche den Rückzug als Umweltminister nahelegte, lehnte er es ab, den Schritt selbst zu tun . Die Kanzlerin musste ihn aus dem Kabinett werfen – und nahm dem ambitionierten Politiker damit alles, was er sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hatte. Sogar als Merkels Kronprinz war Röttgen gehandelt worden. Wäre ihm in einer persönlich so enttäuschenden Situation nicht vielleicht doch ein geschickt platziertes Rache-Interview vor einem Millionen-Fernsehpublikum zuzutrauen? Zumal ihn Teile der Bevölkerung tatsächlich als Opfer der "eisernen Kanzlerin" sehen?

Volker Kauder jedenfalls reagierte prompt. "In der Union kann jeder seine Meinung sagen", ließ der Fraktionschef am Montag ebenfalls in der Bild ausrichten: "Vor allem für uns, die wir Verantwortung tragen, muss aber gelten: Zuerst kommt das Land und die Menschen, dann erst die Partei und ganz zum Schluss komme ich." Deutlicher äußert sich Fraktionsvize Michael Meister: "Norbert Röttgen kann jederzeit frei seine Meinung sagen, aber als stellvertretender CDU-Vorsitzender muss er auch Verantwortung für die Partei wahrnehmen."

Die Mehrheit halte Röttgens Rauswurf für richtig

Statt sich zu beklagen, solle Röttgen die Entscheidung Merkels akzeptieren und sie zum Anlass nehmen, über die eigenen Fehler der letzten Zeit nachzudenken. "Es ist in der Politik ein bisschen wie im Fußball: Norbert Röttgen ist einer unserer talentiertesten Spieler", sagt Meister: "Doch ein Spieler muss eben auch beweisen, dass er teamfähig ist. Da muss sich der Einzelne zurücknehmen. Je nach Spielsituation muss der Trainer, auch wenn es schwer fällt, auf einen begabten Spieler verzichten. Das gilt insbesondere, wenn es auf einen Bundestagswahlkampf zugeht."

Nicht alle in der Partei wollen offen sprechen in diesen Tagen. Die, die reden, lassen ihren deutlichen Unmut gegenüber dem gefallenen Wahlkämpfer spüren. Die schweigende Mehrheit, so heißt es, sei schon lange unzufrieden mit Röttgens Starallüren und auch seiner Arbeit im Umweltministerium gewesen. Die allermeisten in der Partei hielten daher die Entscheidung Merkels, den Minister abzusetzen, für hart, aber richtig, auch weil die inhaltlichen Ergebnisse nicht gestimmt hätten.