Als die Katastrophe über die Bildschirme flimmert, sagt Frank Rudolph nur: "Oh Gott". Dann schlägt er die Hände vors Gesicht. Rund 26 Prozent hat seine CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen geholt . Das ist noch einmal ein Absturz von den 34,6 Prozent im Jahr 2010 und ein neuer, dramatischer Tiefststand. Rudolph ist Mitglied im gesundheitspolitischen Arbeitskreis der Partei. Sein Ausruf in die Stille der geschockten Wahlparty in Düsseldorf bringt die Stimmung in der NRW-CDU auf den Punkt.

Das "Gesicht dieser Niederlage", wie Anhänger Rudolph sagt, ist Norbert Röttgen , der Spitzenkandidat. Zerknirscht tritt er kurz nach den ersten Ergebnissen vor die Kameras . "Ein bitterer Tag" sei das, und eine "eindeutige und klare Niederlage für die CDU". Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: "Und zuallererst ist das auch meine Niederlage". Röttgen weiß, was seine Partei an diesem Abend von ihm erwartet. Seine Abschiedsrede klingt wie eine Entschuldigungsrede.

Von Anfang an lief es nicht rund in diesem Wahlkampf , von Anfang an gab Röttgen ein unglückliches Bild ab: Da war sein fehlendes Bekenntnis, auch als Wahlverlierer nach Düsseldorf zu kommen. Ein Fehler, den ihm viele in der Partei nicht verziehen haben. "Das war sicher unglücklich, da keine Position zu beziehen" sagt Parteimitglied Rudolph. Da war aber auch Röttgens recht eigenmächtiger Rückzieher in Sachen Sparen: Gewinnen wollte er die Wahl mit einem Anti-Schulden-Kurs, doch als Erstes nahm er die einzigen konkreten Sparvorschläge seiner Partei zurück. Von seiner vermeintlichen rhetorischen Brillanz war im TV-Duell mit Hannelore Kraft so wenig zu sehen wie bei den meisten seiner Wahlkampfauftritte auf den Marktplätzen des Landes.

"Es waren meine Überzeugungen und meine Themen", sagt Röttgen am Wahlabend dazu, "und deshalb ist es auch meine uneingeschränkte Verantwortung". Als er dann seinen Rücktritt verkündet und der Partei "empfiehlt, noch im nächsten Monat eine neue Führung zu wählen", ist das längst keine Überraschung mehr. Die Pressemitteilung ist vorbereitet und die meisten Anwesenden wissen schon Bescheid.

Laumann oder Laschet?

Wie geht es nun weiter für die CDU in Nordrhein-Westfalen ? "Heute Abend bin ich erst einmal traurig", sagt Armin Laschet ZEIT ONLINE. Der stellvertretende Fraktionschef im Landtag war einst der Konkurrent von Röttgen um den Landesvorsitz. Er gilt neben dem bisherigen Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann als aussichtsreicher Kandidat für Röttgens Nachfolge. Laschet und Laumann hatten sich bereits 2010 eine Kampfabstimmung um die Fraktionsführung geliefert; und so ist es als Friedenssignal zu verstehen, wenn am Wahlabend beide betonen: "Wir müssen nun eine gemeinsame Lösung finden." Denn, so sagt Laumann: "Wir können uns alles erlauben, nur nicht eine Zerlegung der CDU." Am Montag und Dienstag sollen nun die Gremien zusammenkommen, um den Neustart zu planen.