Für Norbert Röttgen steht an diesem Sonntag einiges auf dem Spiel. Der Umweltminister und Spitzenkandidat der nordrhein-westfälischen Union, die vor zwei Jahren noch knapp stärkste Partei wurde, muss bei der heutigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit einem historisch schlechten Ergebnis rechnen.

Umfragen sehen die CDU bei etwas mehr als 30 Prozent – alles unterhalb dieser Marke dürfte Röttgen als herbe Niederlage ausgelegt werden. Die Spitzenkandidatin der SPD, Hannelore Kraft , hofft derweil auf eine absolute Mehrheit für Rot-Grün – was, glaubt man den Demoskopen, ebenfalls knapp werden dürfte.

Seit heute früh acht Uhr wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Rund 13,2 Millionen Menschen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die rund 15.500 Wahllokale schließen um 18 Uhr – dann wird es auch die ersten Prognosen geben. Die Wahl in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundeslandes gilt auch als richtungsweisend für den Bund.

Rot-grüne Mehrheit nicht sicher

Die Abstimmung wurde nötig, weil die bisherige rot-grüne Minderheitsregierung ihren Haushalt für das laufende Jahr nicht durch das Parlament bringen konnte. Im März wurden deshalb das Parlament aufgelöst und Neuwahlen beschlossen. Damals schien SPD und Grünen eine eigene Mehrheit sicher zu sein.

Doch der Vorsprung von Rot-Grün ist zuletzt geschrumpft. Die SPD kommt in den letzten Umfragen auf 36 bis 38 Prozent, die Grünen auf elf bis zwölf Prozent. Eine Mehrheit ist also in Reichweite, wenngleich auch nicht sicher.

Entscheidend für den Wahlausgang dürfte das Abschneiden der kleineren Parteien seien. Die FDP hat nach langem Tief in den Umfragen wieder Chancen auf den Einzug in das Parlament. Die Piraten lagen in den Umfragen klar über der Fünf-Prozent-Hürde und könnten in den vierten Landtag in Folge einziehen. Dagegen muss die Linke um die Rückkehr in den Landtag bangen. 

Bei der Landtagswahl 2010 wurde die CDU mit 34,6 Prozent knapp stärkste Partei, gefolgt von der SPD mit 34,5 Prozent. Die Grünen kamen auf 12,1, die FDP erhielt 6,7 Prozent. Die Linke schaffte mit 5,6 Prozent erstmals den Sprung in den NRW-Landtag. Die Piraten erreichten vor zwei Jahren 1,6 Prozent.