Diese Zahlen zeigen das ambivalente Ergebnis des Lageberichts: Migranten mit deutschem Pass und Ausländer arbeiten an ihren Aufstiegschancen in der Gesellschaft. Sie schicken ihre Kinder wenn es nur irgendwie geht aufs Gymnasium, auf die Universität. Sie machen sich eher selbstständig, verzichten dabei auf staatliche Hilfen, sie finanzieren ihr Studium eher als Deutsche ohne Migrationshintergrund durch eigenes Jobben.

Doch bleibt ein großer Abstand zur übrigen deutschen Bevölkerung: Noch immer haben viele Kinder mit Migrationshintergrund keinen Schulabschluss. Bislang unerforscht ist laut dem Lagebericht, inwieweit Schüler mit Migrationshintergrund unter möglichen Vorurteilen ihrer Lehrer zu leiden haben. Ausländische Kinder werden nach wie vor überdurchschnittlich häufig an Sonder- oder Förderschulen verwiesen.

Das Armutsrisiko von Migranten ist weiter doppelt so hoch (!) wie das der deutschstämmigen Bevölkerung, sie sind überdurchschnittlich oft in prestigearmen und geringer vergüteten Berufsfeldern beschäftigt. Deutsche mit Migrationshintergrund sind in den Parteien und Parlamenten weiter unterrepräsentiert. Junge, gut qualifizierte Migranten berichten von Diskriminierung bei der Job- und Wohnungssuche wegen ihres fremd klingenden Namens oder ihrer Religion.

Zustände, die sich die Einwanderungsgesellschaft Deutschland nicht leisten kann, wie auch Böhmer betont. Sie wünscht sich daher mehr "Willkommenskultur", weniger Vorurteile, mehr Gemeinsamkeit, schnellere Einbürgerung von in Deutschland lebenden gut integrierten Ausländern. Erforderlich sei ein "gesellschaftlicher Wandel" bei der Haltung gegenüber Migranten. "Menschen der dritten oder vierten Generation sollen sich nicht mehr als Migranten fühlen. Sie gehören schon längst dazu", so die Staatsministerin.