Der SPD-Entwicklungsexperte Sascha Raabe hat Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel ( FDP ) wegen dessen Teppich-Affäre zum Rücktritt aufgefordert. Als Bundesminister, der im Ausland für gute Regierungsführung werbe, sei Niebel "nicht mehr tragbar", sagte Raabe der Rheinischen Post . Die Teppich-Affäre sei nur die Spitze des Eisbergs. Niebel sei "seit Amtsbeginn ein Minister des Klüngels, einer, der bei der Postenvergabe Parteiinteressen und beim privaten Souvenirkauf Eigeninteressen über sein öffentliches Amt" stelle.

Niebel hatte bei einem Besuch in Afghanistan einen Teppich für etwa 1.100 Euro von einem Händler erworben, der dafür eigens in die deutsche Botschaft gekommen war. Später nahm der Chef des Bundesnachrichtendienstes ( BND ), Gerhard Schindler (FDP), den Teppich in seinem Dienst-Jet mit nach Berlin . Bei dem Flug war Schindler offenbar fälschlich davon ausgegangen, dass es sich bei dem Teppich um ein offizielles Gastgeschenk an Niebel handelte. In diesem Fall wäre der Transport keine Privatangelegenheit, sondern Amtshilfe gewesen. Weil zudem nicht direkt verzollt wurde, prüft die Berliner Staatsanwaltschaft "einen Anfangsverdacht auf ein mögliches strafbares Verhalten " gegen Niebel.

Wie die Financial Times Deutschland ( FTD ) berichtete, hat Niebel durch den BND-Transport seines Teppichs weit mehr Geld gespart als nur den Einfuhrzoll. So könnten sich die Einsparungen auf 4.040 Euro belaufen. Der Transport eines neun Quadratmeter großen Teppichs von Kabul nach Berlin kostet laut FTD 3.840 Euro. Hinzu kommt der von Niebel eingesparte Zoll, der sich laut Finanzministerium auf 200 Euro beläuft.

Niebel selbst hält die Affäre dagegen offenbar für ausgestanden. Nachdem er einen Antrag auf Nachverzollung gestellt habe, sei kein strafrechtlicher Aspekt mehr vorhanden, sagte Niebel. Er werde kein zweites Mal ein solches Souvenir von Dienstreisen mit nach Hause bringen, bei dem Teppich sei dies ohnehin zum ersten Mal der Fall gewesen. Bei BND-Chef Schindler habe er sich bereits entschuldigt.