Der entlassene Bundespolizei-Chef Matthias Seeger hat schwere Vorwürfe gegen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ) erhoben. Es sei ein "würdeloser Vorgang", wie das Bundesinnenministerium mit dem Führungspersonal der Bundespolizei umgehe, sagte Seeger der Bild -Zeitung . "Das ist unehrenhaft und geradezu beschämend."

Friedrich hatte Seeger und seine zwei Stellvertreter Wolfgang Lohmann und Michael Frehse nach Angaben des Innenministeriums am Montagmorgen über ihre Entlassung informiert. Seeger wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt, die beiden Stellvertreter erhielten neue Aufgaben. Allerdings hatte es bereits am Wochenende Berichte über die Neuordnung an der Spitze der Bundespolizei gegeben, was zu deutlicher Kritik an Friedrich geführt hatte.

Nach Angaben der Bild -Zeitung entließ Friedrich die Führung der Bundespolizei ohne Angaben von Gründen . Am Wochenende war von einem gestörten Vertrauensverhältnis die Rede. Die Zusammenarbeit zwischen Innenministerium und Bundespolizei sei sehr schlecht gewesen. Immer wieder seien Interna der Bundespolizei öffentlich geworden und Seeger wurden zu enge Kontakte zu weißrussischen Sicherheitsbehörden vorgeworfen.

Innenministerium wusste von Kontakten

Seeger wies in der Zeitung die Vorwürfe zurück, angeblich geheime Kontakte zum weißrussischen Geheimdienst seien "kompletter Unfug". Er habe als Chef der Bundespolizei "bis vor knapp zwei Jahren" Kontakt zum weißrussischen Grenzschutz gehabt. "Dabei ging es vor allem um Fragen der Grenzsicherung." Diese Kontakte seien alle vom Innenministerium gebilligt worden. "Als sich das Land mehr und mehr zu einer Diktatur entwickelt hat, haben wir die Kontakte abgebrochen", sagte Seeger.

Neuer Chef der Bundespolizei wird der bisherige Referatsleiter für Terrorismus-Bekämpfung im Innenministerium, Dieter Romann. Dieser sei ein "ausgewiesener Fachmann", sagte Ministeriumssprecher Jens Teschke. So habe Romann Mitte Juni die Razzia gegen radikal-islamische Salafisten koordiniert. Dabei waren an 80 Orten in sieben Bundesländern zahlreiche Wohnungen, Vereinsräume und eine Moschee durchsucht worden.

Friedrich lässt Kritik zurückweisen

Friedrichs Sprecher wies die Kritik an der Entlassung zurück. Es sei "gutes Dienstrecht des Ministers", ohne Angaben von Gründen Personal zu entlassen. Auch der Vorwurf, die Betroffenen nicht rechtzeitig ins Bild gesetzt zu haben, sei "irreführend". Die Personalien seien vorzeitig bekannt geworden. Dies sei "nicht glücklich", aber nicht Schuld des Ministeriums, sagte Teschke.

Opposition und Gewerkschaften kritisierten dagegen die Umstände der Personalentscheidung scharf. Der Vorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt , sagte, seit Wochen und Monaten seien aus dem Innenministerium heraus gezielt Indiskretionen zum Schaden der Beamten an die Öffentlichkeit gegeben worden. "Das ist ein unerhörter Vorgang, so geht man nicht mit Führungskräften um."

Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Hartmann , kritisierte Friedrichs Personalpolitik: "Es wird einsam um den Bundesinnenminister", sagte er. Friedrich werde damit "selbst zu einem Sicherheitsrisiko" und müsse sich für seine fragwürdige Personalpolitik vor dem Parlament rechtfertigen.