Die Drohungen von CSU-Chef Horst Seehofer zu einem Bruch der Regierungskoalition sind bei FDP und SPD auf heftige Kritik gestoßen. "Die Halbwertszeiten von Horst Seehofers Temperamentsausbrüchen werden immer kürzer", sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Birgit Homburger der Passauer Neuen Presse . "Der CSU sitzen offenbar die Freien Wähler im Nacken", sagte Homburger und bezog sich damit auf die Landtagswahl 2013.

Die SPD warf Seehofer vor, mit seiner Drohung eines Koalitionsbruchs eine verantwortungsvolle Lösung der Euro-Krise zu torpedieren. "Herr Seehofer droht bei jeder Gelegenheit mit dem Koalitionsbruch", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles . Erst bestehe er auf dem Betreuungsgeld und verhindere so, dass rund 1,2 Milliarden Euro in den Krippenausbau fließen, sagte Nahles. "Jetzt versucht er, auf die gleiche Art und Weise eine vernünftige Politik für die Euro-Zone zu torpedieren." Wie lange wolle sich Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) noch erpressen lassen, fragte Nahles.

Seehofer hatte am Dienstag zum dritten Mal innerhalb weniger Monate das Regierungsbündnis infrage gestellt. Erstmals hatte er dies im Herbst 2011 im Streit um Steuersenkungen getan, dann im Streit um das Betreuungsgeld und nun im Zwist um die Euro-Rettungsmaßnahmen.

Mittlerweile hat Seehofer seine Äußerungen relativiert. Er habe das Wort Koalitionsbruch nie in den Mund genommen, und er habe auch nicht die Absicht, dies zu tun, sagte Seehofer am Rande der CSU-Fraktionssitzung in München . Derartige Äußerungen seien ihm in den Mund gelegt worden. "Ich kann's nicht ändern, ich werde trotzdem ein fröhlicher Mensch bleiben."

Seehofer lehnt Merkels Zugeständnisse in Euro-Krise ab

In einem Interview mit dem Stern hatte Seehofer am Vortag gesagt, die CSU könne in der Zukunft keine weiteren Hilfszusagen an Euro-Krisenstaaten ohne Auflagen mittragen. "Irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo die bayerische Staatsregierung und auch die CSU nicht mehr Ja sagen können. Ich könnte das dann auch ganz persönlich nicht mittragen", sagte Seehofer. "Und die Koalition hat ohne die Stimmen der CSU keine Mehrheit."

Umstritten sind besonders die Zusagen, die Kanzlerin Angela Merkel auf Druck Italiens und Spaniens beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel gemacht hat. So könnte der gerade erst von Bundestag und Bundesrat beschlossene Euro-Rettungsschirm ESM gelockert werden. Wenn es eine europäische Bankenaufsicht gibt, könnten auch kriselnde Banken darüber mit Milliardenhilfen versorgt werden. Zudem könnte es für Länder wie Italien geringere Auflagen bei Milliardenhilfen geben.

Die Details sind noch unklar, zudem gibt es auch in Ländern wie Finnland und den Niederlanden zunehmenden Widerstand. Seehofer sagte, das Gipfelergebnis lasse Raum für Spekulationen und Interpretationen.