SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Fehler bei der Agenda 2010 eingeräumt: "Die Ausweitung des Niedriglohnsektors war falsch", sagte Gabriel der Welt am Sonntag . Die Agenda 2010 wurde unter dem ehemaligen SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeführt. Nun müsse die SPD über eine "Agenda 2020" reden.

Gabriel forderte: "Niemand, der sein Leben lang rentenversichert war und über viele Jahrzehnte gearbeitet hat, darf im Rentenalter auf Sozialhilfeniveau kommen, nur weil er unverschuldet arbeitslos war oder in den Niedriglohnsektor gedrückt wurde."

Die Riester-Rente in der bestehenden Form reicht dem SPD-Vorsitzenden zufolge nicht aus: "Viele Riester-Verträge gehen von absurden Voraussetzungen aus und bringen eine zu geringe Rendite." Außerdem würden Menschen mit geringem Einkommen häufig die Riester-Rente meiden. "Hier müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagte Gabriel. Es sei eine Herausforderung für die Politik, "Altersarmut zu verhindern, die durch lange Arbeitslosigkeit und Hungerlöhne entsteht".

Einer Untersuchung des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zufolge ist die Zahl der Bezieher von Niedriglöhnen trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht deutlich gesunken. Stattdessen bleibt der Niedriglohnsektor seit Jahren relativ konstant. Im Jahr 2010 arbeiteten etwa acht Millionen Menschen für einen Stundenlohn von weniger als 9,15 Euro.