Auf das feierliche Durchschneiden eines roten Bandes verzichtet Dietmar Woidke : Es soll bloß niemand denken, er würde sich über diese Einweihung freuen. Der brandenburgische SPD-Innenminister hat vielmehr "gemischte Gefühle", wie er sagt.

Hier, neben dem Rollfeld des Flughafens Schönefeld an der Stadtgrenze zu Berlin , weiht Woidke einen unscheinbaren, weißen Container-Flachbau ein, den er am liebsten sofort wieder dicht machen würde. Das Gebäude ist das jüngste und höchst umstrittene Symbol deutscher Asylpolitik. Dient es doch wie keine andere Einrichtung dazu, die Einreise-Aspiranten so schnell wie irgend möglich wieder loszuwerden, und zwar mithilfe des sogenannten "Flughafenasylverfahrens".

Genau dieses Verfahren will der brandenburgische Innenminister eigentlich abschaffen. Dazu hat er zusammen mit seinem Amtskollegen und Parteifreund aus Rheinland-Pfalz erst Anfang Juli eine Bundesratsinitiative gestartet. Doch weil der Bund die Asylgesetze macht, ist Woidke trotzdem dazu verpflichtet, in seinem Land eine entsprechende Unterkunft zu bauen.

Maximal 19 Tage bis zum Rauswurf

Das Flughafenasylverfahren ermöglicht eine Turbo-Abfertigung: In nur zwei Tagen urteilen die Behörden darüber, ob die Asylanträge der am Flughafen Aufgegriffenen direkt abgelehnt werden können, weil sie "offensichtlich unbegründet" sind. Dann bleiben den Bewerbern drei Tage Zeit für einen Einspruch vor Gericht, das wiederum innerhalb von zwei Wochen entscheiden muss. 19 Tage also maximal, in denen die Betroffenen nicht einmal deutschen Boden betreten dürfen, sondern im staatenlosen Transitgebiet am Flughafen bleiben müssen, in eben jener bewachten "Aufnahmeeinrichtung", umgeben von drei Meter hohem Zaun.

Woidke inspiziert jetzt das Innere, zehn Räume mit metallenen Etagenbetten für zwei bis vier Asylbewerber, dazu jeweils Schrank, Tisch, Stühle. Der Boden besteht aus blauem Linoleum, an der Wand hängt ein kleines Blumen-Stillleben. "Wir können immerhin die Bedingungen verbessern", sagt der Politiker zu den Zwängen, diese Einrichtung zu eröffnen, "auch wenn das nur ein schwacher Trost ist". Eine Gemeinschaftsküche gibt es also, und die Zimmer "Freizeit 1" bis "Freizeit 3", mit Fernseher, Brettspielen, noch verpacktem Kinderspielzeug.

Trotzdem sprechen die Gegner vom "Asylknast". "Internierung", sagt Bernd Mesovic. Der stellvertretende Geschäftsführer von Pro Asyl geht durch die funktionalen Räume und erklärt, warum er, wie auch der Minister, das Eilverfahren kippen will. "Hastig, unfair und mangelhaft" sei es – und zudem vollkommen überflüssig. Eingeführt wurde das Verfahren 1993, als noch pro Jahr über 400.000 Asylbewerber nach Deutschland kamen, 4.590 davon über die Flughäfen. Im vergangenen Jahr gab es lediglich elf Eilverfahrens-Fälle am Berliner Flughafen Schönefeld, 60 in ganz Deutschland, laut Bericht des zuständigen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge . Längst sind die Außengrenzen der EU zum Hauptschauplatz der Asylpolitik geworden.

Trotzdem ist die neue Berliner Unterkunft für 300 Bewohner im Jahr ausgelegt. "Viel zu viel", findet Kritiker Mesovic und befürchtet, dass die Kapazitäten auch genutzt werden, wenn sie schon einmal da sind. Das Verfahren sei "missbrauchsanfällig".