Trotzdem hat sich die Stadt Rostock am Dienstag direkt beim Betroffenen entschuldigt, "und für den Betroffenen ist die Sache damit auch erledigt, von einem rassistischen Skandal kann keine Rede sein", wie eine Mitarbeiterin von Daraja sagt. Die Baumfäller haben sich also eigenmächtig zu Rächern eines vermeintlichen rassistischen Zwischenfalls stilisiert, den es in Wirklichkeit überhaupt nicht gab.

Am Ende hat die Sache mit der deutschen Eiche allen geschadet: Der antifaschistischen Szene, weil sie Glaubwürdigkeit verloren hat. Für wen eine unschuldige Eiche schon eine unerträgliche Provokation ist, dem wird man in Zukunft nur noch mit halbem Ohr zuhören, wenn er vor faschistischen Bedrohungen warnt – auch, wenn er recht haben sollte.

Rainer Fabian und die Anwohner in Lichtenhagen sind ebenso Opfer und Verlierer der nächtlichen Säge-Aktion. Bei ihnen, das zeigt Fabians verzweifelte Reaktion, ist in dieser Nacht einiges kaputt gegangen. Die Eiche war ihre Idee, ihre Art des Gedenkens, wenn auch eine sehr ungeschickte. Mit diesem Baum dürfte auch ein Teil ihrer Bereitschaft gestorben sein, von sich aus die Pogrome in ihrem Stadtviertel aufzuarbeiten, das Gedenken an 1992 als ihre ganz persönliche Verpflichtung anzunehmen.

Bei der Stadt gehen seit der Baumfällung übrigens reihenweise Solidaritätsbekundungen ein, eine Baumfirma aus Nordrhein-Westfalen hat bereits angeboten, sofort eine neue Eiche zu spenden. "Noch sind wir alle ein wenig ratlos und entsetzt", sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze, "aber eines Tages werden wir bestimmt eine neue Eiche pflanzen".