Das Bundesinnenministerium erwägt, von Spitzensportlern und ihren Verbänden ein Bekenntnis gegen Extremismus zu verlangen. Im Zusammenhang mit der Zuweisung von Fördergeld für die Sport-Spitzenverbände prüfe das Ressort, den Empfängern in Zukunft eine Extremismusklausel vorzulegen, berichtete die Leipziger Volkszeitung unter Berufung auf das Ministerium.

Man sei durch den Fall der Ruderin Nadja Drygalla – "ein bisher nicht vorstellbarer Extremfall", so hieß es – neu zum Nachdenken gekommen, hieß es. Später erläuterte ein Ministeriumsvertreter auf Nachfrage, die Überlegung habe nichts mit dem Fall Drygalla zu tun. Derartige Berichte müssten insofern "ausdrücklich dementiert" werden.

Die 23-Jährige hatte das Olympische Dorf in London verlassen , nachdem bekannt wurde, dass sie mit einem Rechtsextremisten liiert ist. In einem Interview distanzierte sie sich kurz darauf von rechtsextremer Ideologie und beteuerte, keine Verbindung zum Freundeskreis ihres Partners zu haben. Kurz darauf bekannte der 24-Jährige, aus der NPD ausgetreten zu sein und "keinen großartigen Kontakt" mehr zu Neonazis zu haben. Es gibt aber Belege dafür , dass sich Drygallas Freund zumindest bis Mitte Juni in der Szene betätigte: Zu diesem Zeitpunkt schrieb er noch für ein nationalistisches Portal.

Das Innenministerium vertraute nach eigenen Angaben bisher darauf, dass sich rechtsextremistische Tendenzen im Sport durch Aufklärung bekämpfen lassen. Die Geldgeber fragten bei den Vereinen nur allgemein ein Bekenntnis zu sportpolitischen Grundsätzen ab. Dazu gehört unter anderem eine Absage an Fremdenfeindlichkeit.

Eine solche Extremismusklausel würde auch den Linksextremismus umfassen – eine im Sport bisher kaum beobachtete Erscheinung. Heftig umstritten ist derzeit die Extremismusklausel, die sich das Familienministerium von seinen Geldempfängern unterschreiben lässt. Sie verpflichtet Initiativen, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu bekennen.

Für rechtswidrig erklärt

Die Verantwortlichen der Förderprojekte sollen aber auch bestätigen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und auf eigene Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass ihre Projektpartner sich ebenfalls den Zielen des Grundgesetzes verpflichten.

Wegen dieser Bedingung hatte das Verwaltungsgericht Dresden die Klausel im April für rechtswidrig erklärt . Die Richter bemängelten, es sei unklar, wer "Partner" sei und welches Verhalten dem Verein konkret abverlangt werde.

Wo ist die Grenze?

Eine genauere Prüfung des Athletenumfeldes hält der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper , für verzichtbar. "Wir wollen keinen sportinternen Geheimdienst und keine Gesinnungsprüfung", sagte der Spitzenfunktionär. Der Sportbund hatte nach Bekanntwerden von Drygallas Ausscheiden erklärt, dass er von der Beziehung der Athletin zu dem Rechtsextremisten nichts wusste. Dem Landesinnenministerium in Schwerin war die Verbindung dagegen durchaus bekannt , Drygalla hatte deswegen bereits den Polizeidienst verlassen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière ( CDU ) hatte nach einem Treffen mit deutschen Olympiasportlern in London für eine differenzierte Sicht der Dinge geworben . "Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze?", fragte er. Er stelle diese Frage, um  deutlich zu machen, "dass es auch Grenzen der Überprüfung auch für die Rolle von Sportlern gibt".