Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Mehr als 200.000 Menschen pro Jahr sterben hierzulande an einer Tumorerkrankung. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Früherkennungsuntersuchungen auszuweiten, wie dies Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr ( FDP ) nun plant.

Am morgigen Mittwoch will das Bundeskabinett ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Ziel des Ministers ist es, dass jeder rechtzeitig zu der für ihn sinnvollen kostenlosen Früherkennung eingeladen wird. Bisher werden bereits 50- bis 69-jährige Frauen alle zwei Jahre auf eine Brustkrebsfrüherkennungsuntersuchung hingewiesen. Künftig soll dies beispielsweise auch für Darm- oder Gebärmutterhalskrebs gelten.

Auf diese Weise ließe sich ein großer Teil der jährlich 65.000 Darmkrebsneuerkrankungen rechtzeitig erkennen und behandeln, hoffen die Experten des Gesundheitsministeriums .

Dem Koalitionspartner geht diese Regelung allerdings nicht weit genug. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sagte ZEIT ONLINE: "In der parlamentarischen Beratung werden wir noch mal darüber sprechen müssen, wie wir den Gang zur Vorsorge und Früherkennung finanziell anreizen können."

Zu wenige folgen der Einladung

Krebsfrüherkennung müsse für die Menschen so selbstverständlich werden wie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt, hatte Spahn schon bei früherer Gelegenheit geworben.

Ein finanzieller Anreiz ist in dem Gesetzestext bisher jedoch nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Die bereits geltende Regel, dass chronisch Kranke nur dann in den Genuss geringerer Zuzahlungen für Arzneimittel kommen, wenn sie regelmäßig an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teilnehmen, soll sogar gestrichen werden. Auf diese Weise solle die Freiwilligkeit der Teilnahme gestärkt werden, argumentiert das Ministerium.

Ob Einladungsschreiben alleine tatsächlich ausreichen, ist in der Tat fraglich. Nach Angaben des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen beispielsweise folgten 2008 und 2009 nur etwa die Hälfte aller angeschriebenen Frauen der Einladung zur Brustkrebsvorsorge. Mindestens 70 Prozent müssten aber teilnehmen, wenn die Mortalität sinken sollte.