Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in der Diskussion um Nadja Drygalla mehr Zurückhaltung gefordert. Der Fall der von den Olympischen Spielen abgereisten Ruderin werfe die Frage nach der Grenze beim Überprüfen der Freundeskreise von Sportlern auf, sagte de Maizière im Deutschen Haus in London . "Wir sind hier nicht in einem Ermittlungsverfahren." Es müsse die Lehre gezogen werden, behutsamer mit solch einem Fall umzugehen.

Der CDU-Politiker fragte die deutschen Journalisten: "Wo sind eigentlich Grenzen? Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist? Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze? Ich glaube, die ist hier schon überschritten worden."

In der vergangenen Woche hatte Nadja Drygalla die Olympischen Spiele in London verlassen, nachdem bekannt geworden war, dass i hr Freund ein ehemaliger Landtagskandidat der NPD ist. De Maizière bewertete Drygallas Aussagen , mit denen sie sich vom rechtsextremen Gedankengut distanziert hatte, positiv: "Ich war von der Erklärung, die sie abgegeben hat, beeindruckt." Die Äußerungen seien klar und unmissverständlich. Drygalla habe sich in einer "menschlich eindrucksvollen Weise" offenbart.

De Maizière schloss nicht aus, dass die Bundeswehr die 23-jährige Rostockerin in ihre Sportförderung aufnehmen könnte. Derzeit gebe es von ihr keinen Antrag. Wenn es ihn gäbe, würde er "in Ruhe und nicht in der Atmosphäre der letzten Tage" geprüft. "In der Sache selbst möchte ich teilen, was sie gesagt hat, dass erst einmal Ruhe in die Sache kommt", sagte de Maizière.

Linke: "Umfeld war bekannt"

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns wird sich bei ihrer Kabinettssitzung am Dienstag mit dem Fall befassen. Innen- und Sportminister Lorenz Caffier ( CDU ) soll einen Bericht dazu vorlegen. Während Drygalla persönliche Kontakte zur rechtsextremen Szene bestreitet, war das Innenressort 2011 zu einer anderen Bewertung gekommen . Demnach gehörten auch Personen zum Bekanntenkreis Drygallas, "die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind". In der Folge hatte die Sportlerin ihre Polizeiausbildung vorzeitig abgebrochen und war auch aus der Sportfördergruppe ausgeschieden.

"Drygallas Umfeld war schon länger bekannt", kritisierte der innenpolitische Sprecher der Partei Die Linke im Schweriner Landtag, Peter Ritter. "Man hat versäumt, sich vor den Olympischen Spielen offensiv damit auseinanderzusetzen. Nun versuchen alle, sich reinzuwaschen, und das auf Kosten der Sportlerin", sagte er. Noch bei der Verabschiedung der Sportler zu Olympia hätten sich die Spitzenpolitiker des Landes auch mit Drygalla ablichten lassen. Ritter forderte die rot-schwarze Landesregierung auf, die Sportlerin nun nicht alleinzulassen: "Es ist wichtig, sie an die Hand zu nehmen und ihr zu helfen."