Zum Ende der politischen Sommerpause hat der CDU-Mittelstandspolitiker Josef Schlarmann Kanzlerin Angela Merkel wegen ihres Führungsstils scharf angegriffen. Er habe erhebliche Zweifel daran, dass CDU und CSU mit Merkel an der Spitze noch genügend Stimmen bei Wahlen holen könnten, sagte der Vorsitzende der Unions-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Leipziger Volkszeitung. Das Bundeskabinett trifft sich am heutigen Mittwoch erstmals seit Beginn der Sommerpause wieder unter Merkels Leitung.

Potenzielle Nachfolger hätten keine Chance, nach oben zu kommenm kritisiert Schlarmann. Die Partei werde "mit einem Wohlfühl-Programm für den nächsten Bundesparteitag ruhiggestellt", klagte der Volkswirt, der als Steuerberater und Rechtsanwalt tätig ist und sich immer wieder als Merkel-Kritiker hervortut.

Er klagte, die CDU-Vorsitzende betreibe Politik und Wahlkämpfe mit dem Rechenschieber. "Es gebe keinerlei grundsätzliche Debatte mehr, weil sie alle politischen Entscheidungen als alternativlos anbiete .

Gesetze abnicken

"Das ist wie in der Mensa, die täglich nur ein Gericht anbietet", sagte Schlarmann. "Wem das nicht schmeckt, der bleibt draußen." Harte Themen wie Energie oder Europa würden in der Union gar nicht mehr grundsätzlich behandelt.

Damit bezieht sich Schlarmann auch auf die Entscheidungen zur Euro-Krise. Mehrfach hatten Abgeordnete beklagt, dass sie Gesetze binnen kurzer Zeit abnicken müssten, ohne wirklich darüber aufgeklärt zu sein. Die Fraktionsführung hatte die Vorhaben vielfach als eilbedürftig und alternativlos beschrieben.

Das System Merkel

Schlarmann erinnert auch an die Vielzahl der ausgeschiedenen CDU-Größen der vergangenen Jahre: "Die Macht in der CDU von heute konzentriert sich auf das Kanzleramt", monierte er. "Alle Minister sind von der Kanzlerin unmittelbar abhängig."

Karriere mache nur noch der, der auf Merkels Linie liege. Das habe man bei Umweltminister Norbert Röttgen erlebt . Merkel hatte Röttgen nach dessen Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen entlassen und das mit den Herausforderungen der anstehenden Energiewende begründet.

Schlarmann sagte, es sei unmöglich für potenzielle Nachfolger, nach oben zu kommen. Von den möglichen Herausforderern habe keiner politisch überlebt.

"Das liegt am System Merkel", sagte Schlarmann und erinnerte damit an das umstrittene "System Kohl". Wer versuchte, sich auf Landesebene für die Bundespolitik vorzubereiten, sei gegangen – Roland Koch , Jürgen Rüttgers , Friedrich Merz. "Bis auf die, die sich ganz bewusst aus der Bundespolitik raushalten, wie David McAllister in Niedersachsen oder Volker Bouffier in Hessen ."