Wenn Frank-Walter Steinmeier unbedingt der nächste Kanzlerkandidat der SPD werden wollte, dann könnte er vermutlich auch. Immer mehr prominente Sozialdemokraten haben sich in letzter Zeit für den Berliner Fraktionschef ausgesprochen. Unter seinen Bundestagsabgeordneten hat er schon länger eine Unterstützer-Mehrheit.

Auch die ersten Ministerpräsidenten schlagen sich nun öffentlich auf Steinmeiers Seite. Am Wochenende war es der Kieler Torsten Albig , der seinem Ex-Chef Peer Steinbrück von einer Kandidatur abriet – und stattdessen für Steinmeier warb. In der Woche zuvor hat laut Spiegel schon die einflussreiche nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft angedeutet, dass sie ebenfalls Steinmeier präferiere.

Unter den Landeschefs und Abgeordneten gibt es zwar auch solche, die vor Steinmeier warnen. Sie haben seinen faden und überdies historisch erfolglosen Wahlkampf von 2009 nicht vergessen. Aber dennoch gilt angesichts der breiten Unterstützerfront: Würde Steinmeier jetzt vorpreschen und das Momentum nutzen, er wäre kaum mehr zu verhindern.

Gabriel steht für Konfrontation, Steinmeier für Kooperation

Nur, eine allzu große Initiative in eigener Sache ist von Steinmeier nicht zu erwarten. Seine schmähliche Niederlage von 2009 hat er noch nicht vergessen. Schon damals wollte er eigentlich nicht kandidieren und musste, als populärer Vizekanzler, mit viel Mühe überredet werden. Zwar hat Steinmeier unlängst in einem Interview angedeutet, dass er 2009 inzwischen halbwegs verdaut hat, was manche bereits als verkappte Kandidatur-Bereitschaft deuteten. Aber auf eine absehbare neuerliche Niederlage wird er sich diesmal nicht einlassen wollen.

Wagemutiger und auch mitteilungsfreudiger ist da schon Sigmar Gabriel. Der SPD-Vorsitzende hat die Sommerpause quasi im Alleingang mit Positionspapieren und Interviews gefüllt. Gabriel als Spitzenkandidat stünde für einen anderen Wahlkampf-Stil als Steinmeier. Er würde nicht so staatstragend auftreten, sondern viel mehr polarisieren. Er steht für Konfrontation, Steinmeier für Kooperation. Dieser strategische Konflikt, wie man am besten mit der ebenfalls konfrontationsvermeidenden CDU-Kanzlerin umgehen sollte, spaltet die SPD-Führung seit Langem, im Grunde seit sie selbst nicht mehr den Kanzler stellt.

An der SPD-Basis würden sich viele Genossen vermutlich über einen zünftigen Lager-Wahlkampf à la Gabriel freuen. Dennoch ist eine Kandidatur des Parteichefs eher unwahrscheinlich. Gabriel kennt schließlich seine persönlichen Umfragewerte. Er weiß, dass er der mit Abstand unpopulärste Kandidat wäre. Gabriel ist zwar ein Zocker, aber er ist kein Masochist. Seinen Posten als Parteichef wäre er nach einer Niederlage 2013 womöglich los. Den wird er nicht riskieren wollen.

Nichts zu verlieren hätte dagegen der dritte Kandidaten-Kandidat Peer Steinbrück. Er würde für den Wahlkampf reaktiviert werden, plant aber keine weitere Karriere an der Spitze von Partei oder Fraktion, falls es nicht klappen sollte mit der Regierungsbeteiligung. In der SPD gibt es wichtige Stimmen, die davor warnen, Steinbrück zu früh abzuschreiben.