Deutschland soll Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Dafür haben sich führende Außenpolitiker aller im Bundestag vertretenen Parteien in der Tageszeitung Die Welt ausgesprochen. "In Syrien gibt es eine humanitäre Katastrophe. Deutschland sollte Flüchtlinge aufnehmen", sagte Rainer Stinner ( FDP ). "Moralisch wäre eine Aufnahme in Deutschland grundsätzlich geboten", befand auch Rolf Mützenich ( SPD ).

Mützenich und Kerstin Müller ( Grüne ) sagten, dass die meisten Flüchtlinge derzeit zwar in der Nähe ihrer Heimat bleiben und schnell in ihr Land zurückkehren wollten. "Aber Deutschland sollte angesichts der dramatischen humanitären Lage auch anbieten, selbst Menschen aus Syrien aufzunehmen, um die Anrainerstaaten zu entlasten ", sagte die frühere Staatsministerin im Auswärtigen Amt .

Insgesamt sind inzwischen laut Auswärtigen Amt mehr als 150.000 Menschen aus Syrien geflohen. Allein in der Türkei sind inzwischen etwa 70.000 Menschen angekommen. Sie leben dort in Zeltstädten, Asylheimen und Containerstädten. Die türkische Regierung will Aufnahmelager für weitere Zehntausende Flüchtlinge errichten – ab 100.000 Flüchtlingen seien die Kapazitäten des Landes aber ausgelastet, teilte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu mit. In anderen Anrainerstaaten wie dem Libanon sind ebenfalls Tausende Flüchtlinge angekommen, jedoch gibt es dort keine offiziellen Flüchtlingslager. Deshalb müssen viele Menschen in improvisierten Unterbringungen unter schweren Bedingungen leben .

Mißfelder will christliche Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen

Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder plädierte dafür, nur ausgewählte Flüchtlinge ins Land zu lassen: "Große Sorgen macht mir die Lage der Christen in Syrien, da der Bürgerkrieg vor allem auch religiös motiviert ist. Deshalb sollte Deutschland an dieser Stelle eine Aufnahme von Flüchtlingen nicht ausschließen." Damit ging Mißfelder über die Position seines Parteikollegen Ruprecht Polenz ( CDU ) hinaus. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses möchte lediglich die Mittel für die Flüchtlingslager in Jordanien , Libanon und der Türkei weiter aufstocken. Deutschland hatte die humanitären Hilfen dort kürzlich auf 22 Millionen Euro erhöht.

Der Krieg in Syrien zieht nach Einschätzung von Amnesty International zunehmend Zivilisten in Mitleidenschaft. Nach Angaben von EU und Vereinten Nationen benötigen mindestens 2,5 Millionen Syrer dringend humanitäre Hilfe, knapp 1,2 Millionen gelten als Vertriebene im eigenen Land. Die Zahl der Toten wird inzwischen auf etwa 24.500 geschätzt.