Patienten in Deutschland müssen sich auf Praxisschließungen und Ärztestreiks noch im September einstellen. Nach dem vorläufigen Scheitern der Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen wollen die freien Ärzteverbände ihre Basis über Warnstreiks und Praxisschließungen abstimmen lassen. "Nach Ende der Urabstimmung am Mittwoch nächster Woche können erste Warnstreiks und Praxisschließungen noch im September beginnen", hieß es in einer Mitteilung der Verbände.

Gleichzeitig planen die Mediziner, bereits Montag mit "ersten harten Maßnahmen" zu beginnen, die jedoch "zunächst nur die Krankenkassen betreffen werden", teilte der NAV-Virchow-Bund mit. Dabei solle vor allem das interne Umverteilungssystem der Krankenkassen getroffen werden. Betroffen sein könnten unter anderem Anfragen für das Kostencontrolling.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung verhandeln seit Wochen über die Honorare der etwa 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten für das kommende Jahr. Am Freitag hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss mit einem Schlichterspruch entschieden, die Zuweisungen um 270 Millionen Euro beziehungsweise 0,9 Prozent zu erhöhen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordert aber insgesamt 3,5 Milliarden Euro, was ein Plus von rund elf Prozent wäre. Die Ärzte hatten deshalb am Montag die Verhandlungen mit den Kassen überraschend abgebrochen .

Bahr appelliert an Kassen und Ärzte

Die Ärzteverbände, darunter Berufsverbände der Internisten, Hautärzte und Kinderärzte, warfen den Krankenkassen eine Blockadehaltung bei den Honorarverhandlungen vor. Der Spitzenverband der Krankenkassen habe sich derart "kompromisslos" gezeigt, dass die Ärztevertreter gezwungen gewesen seien, die Verhandlungen abzubrechen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr ( FDP ) forderte Mediziner und Krankenkassen zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Ich habe kein Verständnis für den bisherigen Verlauf der Honorarverhandlungen und die erneute Zuspitzung", sagte er. Sie sollten zu einem Ergebnis kommen, das den Interessen beider Seiten Rechnung trägt. "Ich bleibe dabei, dass Kassen und Ärzteschaft ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen müssen und ihre Auseinandersetzung nicht zu Lasten der Patientinnen und Patienten austragen dürfen", sagte der Minister.