Bei den Ermittlungen gegen die rechtsextreme Terrorzelle NSU sind die Berliner Behörden in die Kritik geraten. Ein mutmaßlicher NSU-Helfer soll mehr als zehn Jahre für das Berliner Landeskriminalamt (LKA) als V-Mann gearbeitet haben, berichtete Spiegel Online .

Spiegel Online zufolge war Thomas S. von Ende 2000 bis Januar 2011 als Quelle des Berliner LKA aktiv. Nach eigener Aussage hat er der Terrorzelle NSU Ende der neunziger Jahre rund ein Kilogramm TNT-Sprengstoff besorgt. Bei mindestens fünf Treffen mit dem LKA habe er auch Hinweise auf die untergetauchten NSU-Mitglieder gegeben, die er letztmalig 1998 gesehen haben wolle. Tagesschau.de schreibt unter Berufung auf ein internes Papier des Landesamtes für Verfassungsschutz Thüringen, Beate Zschäpe sei mit Thomas S. "liiert" gewesen. Heute ist er laut dem Bericht einer von 13 Beschuldigten, gegen die der Generalbundesanwalt im Zusammenhang mit dem NSU-Terror ermittelt.

Die Berliner Zeitung vermutet, dass es sich bei dem NSU-Helfer um Jan W. handelt. Die Zeitung schließt darauf aufgrund eines Fax' des Berliner LKA an das Bundeskriminalamt in Wiesbaden vom 22. August 2001. In dem Fax bittet das Berliner LKA, vor "Maßnahmen" gegen Jan W. zuerst das LKA Berlin zu informieren. Der Berliner Zeitung zufolge sind solche Absprachen bei der Anwerbung von Informanten üblich.

2002 gab es einen Hinweis auf den NSU-Aufenthaltsort

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages warf der Berliner Landesverwaltung vor, wichtige Unterlagen nicht herausgegeben zu haben. Demnach soll dort bereits im Jahr 2002 ein Hinweis auf den möglichen Aufenthaltsort des untergetauchten Terror-Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt vorgelegen haben. Die Abgeordneten des Bundestages erfuhren von den Unterlagen erst am Montag.

Der  Ausschussvorsitzende, Sebastian Edathy ( SPD ), zeigte sich über den Vorgang empört: "Dass uns diese Information vorenthalten wurde, ist ein Armutszeugnis", sagte Edathy. Er sei "hochgradig verärgert". Die Berliner Behörden müssten für Aufklärung sorgen, auch eine Vorladung des Berliner Innensenators Frank Henkel ( CDU ) und seines Vorgängers Ehrhart Körting (SPD) sei wahrscheinlich. Henkel sei der Sachverhalt offenbar neu gewesen, sagte Edathy. Es stelle sich aber die Frage: "Kann es sein, dass ein Landeskriminalamt den zuständigen Minister nicht oder nicht ausreichend informiert?"

Der CDU-Obmann im Ausschuss, Clemens Binninger, sagte dem Tagesspiegel , man wisse noch nicht, wie relevant die Informationen seien. Henkel kündigte ein Treffen für Freitagmittag mit den innenpolitischen Sprechern der Fraktionen und anderen Politikern an, um das Thema zu erörtern.

In der Diskussion über eine mögliche Abschaffung der Geheimdienste warf Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ( CSU ) Ausschussmitgliedern vor, in ihrer Kritik an den Geheimdiensten zu weit zu gehen. "Es ist absurd, dass Bundespolitiker und Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses alle Nachrichtendienste pauschal zur Disposition stellen", sagte Herrmann der Zeitung Die Welt . Die Kritiker beschädigten das Ansehen der Sicherheitsbehörden. "Diese selbstzerstörerische Diskussion muss aufhören", forderte er.

Am Dienstag war im NSU-Untersuchungsausschuss bekannt geworden, dass der Militärische Abschirmdienst (MAD) eine Akte über ein Gespräch mit dem späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos aus den neunziger Jahren verschwiegen hatte. Der MAD soll auch versucht haben, Uwe Mundlos 1995 während seiner Zeit als Wehrdienstleistender als Informanten zu werben. MAD-Präsident Ulrich Birkenheier bestritt allerdings, dass es sich bei den Kontakten um einen Anwerbeversuch gehandelt habe.

Die Forderung nach Abschaffung des MAD wies Herrmann zurück. "Falls es einzelne Fehler beim MAD oder Verteidigungsministerium gegeben hat, müssen sie aufgeklärt werden", sagte er. "Es gibt aber keinen Grund dafür, unsere Sicherheitsbehörden kaputt zu hauen." Der MAD leiste gute Arbeit und müsse gestärkt werden. Zuvor hatten Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn , die Auflösung der Geheimdienste gefordert.