Den chronologisch sich vorantastenden Leser versorgt Wulff mit früheren Liebesgeschichten. Sie sei keine auf "Glamour erpichte Frau", sie besitze kein festgezurrtes Beuteschema. Die Beweisaufnahme ist eröffnet. Tom ("Teilzeit-Rettungschwimmer"), Torsten ("Er war präsent, nicht aufdringlich") und Achim ("ruhige, souveräne Art und Ausstrahlung").

Bettina Wulff betont fortwährend, wie wichtig ihr Authentizität ist, und wie ihr Buch dabei hülfe. Was aber dann als vehemente Rückeroberung ihrer Würde gemeint ist, hört sich an wie dreifach gelocht, abgeheftet und gestempelt: "Als selbstständige, selbstbestimmte und erwachsene Frau habe ich mich gemeinsam mit meinem Mann bewusst dazu entschlossen, dass er das Amt des Bundespräsidenten wahrnimmt und wir dafür nach Berlin gehen." Was unter anderem ein weitreichendes Bemöbeln der neuen Villa nach sich zieht: beigefarbene Stoffsofas, große Blumenvasen, Kerzen, Stühle und Tische, Einrichtung für zwei Kinderzimmer, neues Ehebett, ein "größerer Herd und vor allem Ablage- und Arbeitsflächen" und allerhand mehr von dem, was "heute größtenteils in Großburgwedel" stehe. Als detailgetreu lobte das der Tagesspiegel .

Mürbe Tage in Großburgwedel

Worin das grundsätzlich Interessante an dem Buch besteht, das die Süddeutsche Zeitung in einer Vorabkritik entdeckt haben will , lässt sich kaum ahnen. Als Geschichte einer Frau, die plötzlich Prinzessin wurde, taugt es genauso wenig, wie als kleines Schwarzbuch der Bundespolitik und ihrer Hinterzimmer: Man erfährt, dass Angela Merkel "eine wahnsinnig beeindruckende, straighte Frau" ist. Dass Ministerpräsidentenhaushalte Stahltüren haben, "die selbst Linus als Vierjähriger nicht geöffnet bekommt". Dass Christian Wulff ihr von "seinem Gehalt den Nettobetrag überweisen würde", den sie bei Rossmann verdient habe. Und nach mürben Tagen in Großburgwedel müsste vielleicht mal der Dermatologe kommen: "Meine Gesichtshaut schlug bereits Alarm."

Es gebe Bücher, bei denen zuerst der Gedanke käme und dann die Sprache, hieß es in einer Kritik. Aber schön wäre es doch, wenn man nicht laufend umstellt wäre von starken Powerfrauen, argem Schmunzeln, amoklaufenden Gefühlswelten und "längeren Auffahrten mit kleinem Rasenrondell". Dann käme nämlich viel schneller die Einsicht, dass das überdosierte Geschwätz die eigentliche Sache ist: Eine Art Gegenschallanlage in Buchform, die den Klatsch mit wahllosem Gerede niederquatscht und zugleich die gerechte Strafe für all jene bedeutet, die ständig ihre Nase überall reinstecken. So versucht Bettina Wulff, die Kontrolle zu behalten. Denn das ist ja ihr erklärtes Ziel, weil ihr Leben "einfach nur mein Leben ist".  Mit dem hat man am Ende nicht mehr, aber auch nicht weniger Mitleid als zuvor.