Meine Frau ist eine erfahrene Allgemeinmedizinerin und seit einigen Monaten in einem großen medizinischen Versorgungszentrum angestellt. Sie leitet ihre Praxis eigenverantwortlich und selbstständig, das Zentrum übernimmt die Kosten für die Praxismiete, das Praxispersonal, für Abschreibungen und Verwaltung. Sie verdient 2.500 Euro netto im Monat bei zehn Stunden Arbeit am Tag – plus zirka 600 Euro brutto für Privatpatienten. Mehr gibt ihre Praxis trotz ihrer großen Patientenzahl nicht her.

Meine Frau unterliegt dem Zwang der sogenannten Drehtürmedizin: In der Allgemeinmedizin beträgt das Honorar, das die Kassen pro Patient im Quartal zahlen, nur 40 Euro – egal, ob ein Patient ein Mal oder zehn Mal vorbeikommt. Ärzte, die weniger Patienten behandeln, weil sie sich intensiver um sie kümmern wollen, schneiden schlechter ab.

Nur fünf Minuten Zeit pro Patient sind bei meiner Frau keine Seltenheit, damit sie auf ihre Honorare kommt. Wären die Honorare höher, könnte sie die Zahl der Patienten senken und sich mehr Zeit nehmen. Honorarsteigerungen würden also direkt den Patienten zugute kommen. 

Langes Studium, viel Verantwortung

Den Arztberuf kann man nicht mit anderen Berufen vergleichen. Zum einen haben Ärzte, wenn sie schnell sind, erst mit 26 Jahren das Studium abgeschlossen. Zum anderen müssen die Absolventen dann noch Ihren Facharzt machen, den haben sie meist nicht bevor sie 32 sind. Dieser Titel ist mittlerweile Voraussetzung dafür, sich als Arzt niederlassen zu dürfen. In anderen Berufsfeldern ist die Selbständigkeit viel schneller erreicht.

Doch die Selbständigkeit zahlt sich sich nicht aus: Im Gegensatz zu Angestellten tragen selbstständige Ärzte das unternehmerische Risiko für ihre Praxis und die Verantwortung für ihr Personal. Trotz dieses Risikos wird ihnen die Bezahlung von den Krankenkassen diktiert. Welcher Handwerker ließe sich vorschreiben, welche Beträge er in seine Angebote eintragen soll?

In Relation zu Ausbildungszeit und Verantwortung verdienen Hausärzte zu wenig. Darüber hinaus sind viele von ihnen Neid und Missgunst ausgesetzt. Deshalb wird der Beruf des Hausarztes immer unattraktiver. Auf dem Land herrscht an vielen Orten Ärzteknappheit. Immer mehr Ärzte ziehen ins Ausland, weil dort die Honorare höher sind.

Damit wir weiterhin genügend Ärzte haben, sollten sie auch in Deutschland angemessen bezahlt werden. Im Interesse der Patienten.

*Dieser Artikel wurde unter einem Pseudonym veröffentlicht. Der Verfasser ist der Redaktion bekannt.