Die Chefin hat keine Angst. Euro-Krise? EZB-Bazooka? Bundestagswahl? Ein möglicher Herausforderer namens Peer Steinbrück ? Angst sei in der Politik nie ein guter Ratgeber, sagt Angela Merkel . Man hört so etwas von ihr nicht zum ersten Mal, auch andere Politiker benutzen gerne diese Phrase. Doch die Kanzlerin wirkt so in sich ruhend, dass man ihr fast glauben möchte.

Einmal im Jahr lädt Merkel zur großen Pressekonferenz über aktuelle innen- und außenpolitische Themen. Meist tut sie das vor der Sommerpause, bevor sie sich in die Berge zum Wandern verabschiedet. Dieses Mal war vor den Ferien keine Zeit, also spricht Merkel erst jetzt zu den Hauptstadtjournalisten. Passend zum Herbstbeginn trägt sie ein ockerfarbenes Jackett, sie ist wie so oft ziemlich müde um die Augen. Der Herbst wird noch arbeitsreicher werden als der vergangene. Der Bundestagswahlkampf steht bevor.

Kein Herbst der Entscheidungen

Aber Angela Merkels Laune ist gut. Beim Reden gestikuliert sie viel. Die vielen Fotografen drücken auf ihre Auslöser, denn so was gibt gute Bilder. Merkel spielt mit, macht ein paar verspielte Extra-Gesten. Es klickt und klickt und sie lacht. Das Kanzlerinnen-Leben kann so schön sein.

Dieses Jahr kündigt Merkel auch keinen Herbst der Entscheidungen an, dabei läuft es innenpolitisch auch nicht besser als noch 2010. Dieses Jahr muss sie sich auch nicht – wie 2011 – dauernd rechtfertigen, wie groß ihre Leidenschaft für Europa ist. Nein, dieses Jahr kann sie betont empört gucken, als sie ein ausländischer Journalist fragt, wie sie denn so damit umgehe, dass sie als mächtigste Frau Europas, ja gar der Welt bezeichnet und dafür geliebt und auch kritisiert werde. Nun, antwortet Merkel und kann sich doch ein schelmisches Schmunzeln nicht verwehren, alle Beschlüsse zur Euro-Krise seien gemeinschaftlich gefällt. Oftmals werde überschätzt, welchen Einfluss sie auf die konkreten Inhalte habe.

Mehr Demokratie für Europa

Die Kanzlerin mahnt: Mit einem "Paukenschlag" werde die Euro-Krise nicht vorbeigehen. Es brauche einen langen Atem. Die Ankündigung unbefristeter Staatsanleihen-Ankäufe durch die EZB will sie nicht kritisieren, wegen der Unabhängigkeit der Zentralbank. Aber Merkel sagt: "Die Probleme in der Euro-Zone können nur politisch gelöst werden, nicht geldwerttechnisch." Die Kanzlerin deutet an, mehr demokratische Legitimation für den Euro-Raum zu wollen. Visionär ist sie dabei nicht: Vielleicht könnte eine Gruppe von Euro-Staaten im europäischen Parlament eingerichtet werden. Oder die nationalen Parlamente könnten stärker zusammenarbeiten, sagt sie.