Angesichts der Unruhen in der muslimischen Welt wegen eines islamfeindlichen Schmähvideos aus den USA hat sich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, für ein Verbot des Videos in Deutschland ausgesprochen. "Ich denke schon, dass wir alle rechtlichen Mittel ausschöpfen müssen", sagte Mazyek in den Tagesthemen der ARD auf eine entsprechende Frage. Das Video, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, habe zum Ziel, "Zwietracht und Hass zu säen". "Das möchte ich natürlich mit allen Mitteln verhindern", sagte Mazyek. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass der öffentliche Frieden in Deutschland "empfindlich gestört wird", sagte er.

Zu den gewalttätigen Protesten in der muslimischen Welt sagte der Zentralratschef, diese seien auf "eine Minderheit" zurückzuführen. "Das ist nicht das, was der Islam erfordert", sagte Mazyek. Den Muslimen in Deutschland riet er, "Ruhe zu bewahren", damit Rechtsextreme das "Hassvideo" nicht instrumentalisieren könnten. Der Film habe "mit Meinungsfreiheit nichts zu tun". Er lege es darauf an, "die Würde der Religionsanhänger zu verletzen". In Deutschland hatte die rechtspopulistische Gruppierung Pro Deutschland angekündigt , den Film in voller Länge in Berlin zeigen zu wollen.

Das Video mit dem Titel Die Unschuld der Muslime sorgt seit Tagen für Demonstrationen und gewaltsame Ausschreitungen in zahlreichen muslimischen Ländern. In Libyen wurde vergangene Woche der US-Botschafter getötet , im Sudan vergangenen Freitag die deutsche Botschaft angezündet . Und die Gewalt geht weiter: Am frühen Morgen hat eine 20-jährige Selbstmordattentäterin in Kabul wegen des Videos neun Ausländer und drei Afghanen mit in den Tod gerissen. Die radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße und nannte ihn eine Vergeltungstat für das islamfeindliche Mohammed-Video. Weltweit kamen bei Protesten gegen das Video bisher 30 Menschen ums Leben.

"Den Film nicht wichtiger machen, als er ist"

Ein Aufführungsverbot wird in Deutschland kontrovers diskutiert . Muslimverbände sind in der Frage uneins: Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland ist ebenso für ein Verbot wie der Zentralrat, der Liberal-Islamische Bund lehnt eine solche Maßnahme ab. "Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an", sagte die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor. Diskussionen über Verbote und Sonderregelungen für Muslime würden Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren.

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya , sagte, das Video sei eine "tiefgreifende Beleidigung". Von freier Meinungsäußerung könne keine Rede mehr sein. Der Islamexperte Rauf Ceylan hält ein Aufführungsverbot des Videos in Deutschland für überzogen. "Damit würde man den Film wichtiger machen, als er ist ", sagte der Religionswissenschaftler.

"Unsagbar dämlich" und "diffamierend"

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CDU ) sprach sich am Montag dafür aus, eine Aufführung des Films mit allen rechtlich zulässigen Mitteln zu unterbinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rieten dazu, ein Verbot zu prüfen. Leutheusser forderte die Gruppe Pro Deutschland auf, das Video auf ihrer Seite nicht online zu stellen und ihre Pläne für eine öffentliche Vorführung fallen zu lassen.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wandte sich gegen ein Aufführungsverbot. "Das Video ist es nicht wert, dass wir das Recht auf freie Meinungsäußerung kaputtmachen", sagte sie. "Ein Verbot würde nur die, die diesen Schwachsinn zu verantworten haben , zu Opfern stilisieren." Die Bundestagsvizepräsidentin bezeichnete das Video als "unsagbar dämlich" und "diffamierend". Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte, nichts rechtfertige die Verletzung religiöser Gefühle. Genauso sei umgekehrt die Anwendung von Gewalt und Krawall durch nichts zu rechtfertigen.