Aus Protest gegen die Plakataktion des Bundesinnenministeriums für die Beratungsstelle Radikalisierung hat sich die Türkische Gemeinde in Deutschland an die Weltgemeinschaft gewandt. Zudem bat sie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa um Hilfe. OSZE  und UN müssten eingreifen, um die als diskriminierend empfundene Plakatkampagne gegen die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher in Deutschland zu stoppen, verlangte die Verbandsleitung. In den Schreiben erläuterte die Interessenvertretung der Türken in Deutschland ihre Auffassung. Man hoffe auf eine Intervention bei der Bundesregierung , hieß es.

"Wir sind besorgt, dass durch diese Plakataktion Muslime in der Mehrheitsbevölkerung stigmatisiert, die Denunziation gestärkt und die Vorurteile gegenüber Muslimen verstärkt werden", schrieben die Autoren. Die Einwände richteten sich dabei nicht grundsätzlich gegen die Warnung vor Radikalisierung. Dies sehe der Verband als grundsätzlich richtig an.

Aus Protest gegen die Plakataktion hatten bereits vier islamische Verbände ihre Mitarbeit in der gemeinsamen Initiative Sicherheitspartnerschaft mit dem Innenministerium gestoppt . Ihr Ärger richtet sich gegen die Kampagne "Vermisst", die das Bundesinnenministerium Ende August vorgestellt hatte. Im Stil von Vermisstenanzeigen will das Ministerium unter Muslimen für seine Anlaufstelle gegen islamistische Radikalisierung werben.

So zeigt eines der Plakate einen jugendlichen Migranten, ergänzt mit dem Text: "Das ist mein Bruder Hassan. Ich vermisse ihn, denn ich erkenne ihn nicht mehr. Er zieht sich immer mehr zurück und wird jeden Tag radikaler. Ich habe Angst ihn ganz zu verlieren – an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen. Wenn es Dir so geht wie mir, wende Dich an die Beratungsstelle Radikalisierung." Dann folgen Ansprechpartner und Telefonnummer.