Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will trotz mittelmäßiger Umfragewerte weiter auf eine rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2013 setzen. "Die SPD wird mit der Linken keine Koalition bilden. Die Piraten werden nicht regieren wollen – und könnten es auch nicht", sagte er der Welt am Sonntag . Mit Blick auf CDU , CSU und FDP hatte der frühere Bundesfinanzminister am Samstag auf dem Landesparteitag seiner Partei in Münster gesagt: "Wir wollen alle drei rausschmeißen aus dieser Regierung."

Damit hat Steinbrück, dessen SPD laut Umfragen derzeit nur 27 Prozent der Stimmen bekommt, bereits drei mögliche Koalitionsmodelle ausgeschlossen – zumindest für sich persönlich, da er nicht erneut Minister in einem schwarz-roten Kabinett werden will. Führende Sozialdemokraten versuchten ebenfalls, Debatten über eine Große Koalition oder ein Ampel-Bündnis mit Grünen und FDP nach der Bundestagswahl 2013 im Keim zu ersticken: Rot-Grün sei das Ziel.

Es gebe momentan keine Perspektive für eine Ampel-Koalition mit den Grünen und der FDP, sagte der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. "Die FDP ist mit Rot-Grün nicht koalitionsfähig, solange sie den Mindestlohn bekämpft, die Vermögenssteuer blockiert und eine durchgreifende Regulierung der Finanzmärkte verhindert." Die FDP müsste sich für eine Ampel-Koalition schon neu erfinden. "Wir wollen gewinnen, wir wollen diese Regierung rückstandsfrei ablösen", sagte Oppermann. Peer Steinbrück sei die personifizierte Absage der SPD an eine Große Koalition und der Angstgegner der CDU/CSU.

Der Linken-Bundesvorsitzende Bernd Riexinger sieht mit Steinbrücks Nominierung wachsende Chancen für seine Partei. Er werde für viele SPD-Wähler Grund sein, die Linke zu wählen, sagte Riexinger auf einem Landesparteitag der Linken in Neumünster . Er fürchte, dass die SPD links blinke und rechts abbiege.

Riexingers Ko-Vorsitzende Katja Kipping äußerte Sympathien für eine rot-rot-grüne Regierungskoalition auch mit einem SPD-Kanzler Peer Steinbrück: "Für uns zählt nicht die Personalie Steinbrück, sondern das Programm", sagte Kipping dem Hamburger Abendblatt . Über Bündnisse entschieden nicht Kandidaten, sondern Parteien: "Und wenn sie klug sind, nach der Wahl." Auch mit Steinbrück, der dem rechten SPD-Flügel zugerechnet wird, werde die Linkspartei Schnittmengen für soziale Reformen sondieren. Die Linken-Chefin kritisierte "kindische Abgrenzungsrituale" der SPD.

10 Prozentpunkte hinter der Union

Steinbrück startet in Umfragen mit großem Rückstand auf die Union in den Wahlkampf. Im aktuellen Emnid-Sonntagstrend bleibt die SPD mit 27 Prozent unverändert 10 Punkte hinter der Union (37 Prozent). Rot-Grün käme zusammen auf 40 Prozent, wie eine Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag ergab. Die derzeitige Regierungskoalition liegt trotz der andauernden Schwäche der FDP (rund fünf Prozent) bei 42 Prozent. Die Umfrage war allerdings in den Tagen vor der Bekanntgabe der SPD-Kanzlerkandidatur durchgeführt worden.

Im direkten Vergleich mit der Bundeskanzlerin liegt Steinbrück ebenfalls hinten. Würde der Kanzler direkt gewählt, käme Merkel auf 46 Prozent, Steinbrück auf 37 Prozent. Zudem glauben fast zwei Drittel der Deutschen nicht, dass Steinbrück tatsächlich Bundeskanzler wird. Nur 27 Prozent der insgesamt 500 Befragten erwarten, dass Peer Steinbrück im nächsten Jahr tatsächlich Angela Merkel ablöst. Für den Steinbrück-Merkel-Vergleich wurden 500 Personen am vergangenen Freitag befragt.

Steinbrück verlangt mehr Ehrlichkeit in der Euro-Krise

Steinbrück war am Freitag von Parteichef Gabriel als Kanzlerkandidat für die Wahl 2013 präsentiert worden . Am Montag soll der frühere Bundesfinanzminister und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen vom Parteivorstand in Berlin offiziell als Kandidat nominiert werden.