Das deutlichste Zeichen dafür, dass es an diesem Samstag um Personen ging, war dieses: Die Gastgeberin betonte gleich zu Beginn und ungefragt, dass Personen überhaupt keine Rolle spielen würden. "Es geht heute nicht um K-Fragen", beteuert Generalsekretärin Andrea Nahles zum Auftakt des zweiten Tages des SPD-Zukunftskongresses, "es geht um die Zukunft".

Um über diese Zukunft zu reden, hatte die SPD-Bundestagsfraktion aber ein bemerkenswertes Hauptredner-Trio zusammengestellt: Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel . Dass die drei innerhalb von wenigen Stunden bei der gleichen Veranstaltung auftreten, ist so selten und angesichts ihres Dreikampfs um die Kanzlerkandidatur so bemerkenswert, dass die Fraktion sehr wohl weiß, was sie da tut und warum. Andrea Nahles weiß es sowieso. Sie wollte die Aufmerksamkeit, die den Personen gilt, für ihren Kongress nutzen.

Es war dann in der Tat sehr aufschlussreich, die drei Kandidaten im direkten Vergleich zu erleben. Schließlich mussten sie gleichzeitig für ihre Partei sprechen und für sich, ihre Person also klein machen und groß zugleich. Als die Veranstaltung am frühen Abend zu Ende geht, ist tatsächlich klarer geworden, wer von den Dreien wofür steht.

Steinmeier lobt seine Erfolge

Den Auftakt machte Frank-Walter Steinmeier . Dafür, dass es laut Nahles ja nur um die Zukunft gehen sollte, sprach er sehr viel von der Vergangenheit, und dabei vor allem von seinen eigenen Erfolgen. "Die Regierung verfrühstückt jetzt den Vorsprung, den viele, die hier heute sitzen, vor zehn Jahren geschaffen haben", sagte er zur Agenda 2010. Es ist ein rhetorischer Kniff, den er in seiner Rede noch öfters anwendet: Steinmeier lobt " die SPD ", die "damalige Regierung" oder "uns", und meint damit doch vor allem: Steinmeier. Schließlich wissen alle, das er selbst der Architekt dieser Reformen war.

Es ist eine Art Flucht nach vorn vor der eigenen Partei, die Steinmeier da versucht. Wenn sein Name für immer mit der Agenda verknüpft sein wird, die für viele in der SPD der Sündenfall schlechthin war, muss er eben das Beste daraus machen. "Manchmal denke ich mir", sagt er und ruft dann ungewohnt emotional in die Halle: "Mann!" Kurze Pause, dann die Erklärung. "Ende der neunziger Jahre war dieses Land der kranke Mann Europas. Und wir haben es neu aufgestellt. Wir haben wieder ein Land geschaffen, in dem es sich zu leben lohnt und auf das andere mit Respekt schauen!"

Der ganze Stolz auf seinen (vermeintlichen) Erfolg ist da plötzlich zu spüren. Und gleichzeitig der ganze Frust über die fehlende Anerkennung dafür, auch in den eigenen Reihen. Jetzt will er diese Anerkennung, endlich. Dafür geht Steinmeier auf die Partei zu. "Natürlich haben wir auch geirrt in unseren Regierungsjahren", sagt er. Die Agenda 2010 sei "nicht frei von Fehlern und Fehleinschätzungen, und deshalb haben wir auch nicht gezögert, zu korrigieren wo das notwendig war." Mindestlohn, Leiharbeit: Das sind so die Dinge, bei denen auch Steinmeier seine einstige Linie revidieren will.

Wie anders dagegen der Tonfall bei Peer Steinbrück ! Nur knapp zwanzig Minuten hat der einfache Abgeordnete für seine Rede, so viel Proporz muss sein. Aber der Zeitdruck bringt ihn erst richtig in Fahrt. Im schneidigen Tonfall, die Hände in den Hosentaschen, spart er sich jede Einleitung: "Ich will ohne jede launige Vorbemerkung gleich zur Sache kommen", sagt er. Dann rauscht er durch eine Rede im Power-Point-Stil: Stichpunkte, am besten durchnummeriert, erklären alles.