Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück wird aller Voraussicht nach SPD-Kanzlerkandidat. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier steht nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa dafür nicht zur Verfügung.

Am Nachmittag wollen SPD-Parteichef Sigmar Gabriel , Steinbrück und Steinmeier in der Parteizentrale vor die Presse treten. Aller Voraussicht nach dürften sie dann die Entscheidung bekanntgeben. Bislang war die Nominierung frühestens Ende des Jahres geplant.

In den vergangenen Tagen hatte jedoch vor allem in den SPD-Landesverbänden der Druck spürbar zugenommen, die Entscheidung vorzuziehen. Nachdem der Verzicht Steinmeiers nun bekannt wurde, wird Gabriel den Zeitplan voraussichtlich ändern. Gabriel sagte seine Teilnahme am Kommunalkongress der bayerischen SPD-Landtagsfraktion in München am Freitag kurzfristig ab.

Die nächste reguläre SPD-Vorstandssitzung war eigentlich für den 15. Oktober vorgesehen. Für den 24. November ist ein kleiner Parteitag der SPD in Berlin angesetzt, auf dem unter anderem über das Rentenkonzept Gabriels endgültig entschieden werden soll.

Gabriel schon vor Wochen informiert

Der 65-jährige Steinbrück war zuletzt bereits Favorit für die Spitzenkandidatur. Steinmeier hatte Gabriel offenbar schon vor einigen Wochen darüber informiert, dass er nicht erneut antreten will. 2009 war Steinmeier als Herausforderer Merkels klar gescheitert.

In der SPD und dort vor allem bei den Parteilinken ist Steinbrück umstritten. Sie werfen ihm eine zu konservative Position vor. In parteiinternen Umfragen lag Steinbrück zuletzt knapp vor Steinmeier.

Erst in der vergangenen Woche hatte das Magazin Cicero berichtet , Gabriel habe in vielen Gesprächen erlebt, dass selbst Personen, die von seiner oder Steinmeiers Kandidatur profitieren würden, sich für Steinbrück aussprachen. Allerdings widersprach die SPD vor einer Woche noch dem Bericht.

Steinbrück hatte Anfang dieser Woche ein Konzept zur Regulierung des Finanzsektors vorgelegt . Die Vorschläge dürften nächstes Jahr zentraler Bestandteil seines Wahlkampfes werden. "Die Finanzmärkte haben Maß und Mitte verloren", heißt es in dem Papier. Banken seien "Dienstleister und keine Zockerbuden".