Das Innenministerium hat aus Sorge vor Ausschreitungen im Zusammenhang mit dem islamfeindlichen Mohammed-Video ein Einreiseverbot gegen den radikalen US-Prediger Terry Jones verhängt.

Eine Einreise des durch eine Koran-Verbrennung bekannt gewordenen Predigers nach Deutschland würde dem "Interesse an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung widersprechen", sagte ein Ministeriumssprecher. Das Verbot sei auf Grundlage des Schengen-Abkommens und des deutschen Aufenthaltsrechts ergangen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) soll das Innenministerium um ein Einreiseverbot für Jones gebeten haben.

Der Sprecher des Innenministeriums wies auf eine Ankündigung der rechten Gruppierung Pro Deutschland hin, Jones nach Deutschland einzuladen.

Die Gruppe ist in der Kritik, weil sie den islamfeindlichen Film Die Unschuld der Muslime in Berlin zeigen will. Der Film aus den USA hat in den vergangenen Tagen in vielen muslimischen Ländern zu gewaltsamen Ausschreitungen geführt. Terry Jones zählt zu den Unterstützern des Films. 2010 verursachte er bereits in mehreren Ländern Proteste, als er am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September den Koran verbrennen wollte.

Pro Deutschland beruft sich auf Meinungsfreiheit

Zuvor hatte Innenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ) angekündigt, mit allen rechtlich zulässigen Mitteln gegen eine Ausstrahlung des Films vorzugehen. "Solche Gruppen und Organisationen wollen die Islamisten auch in Deutschland provozieren. Damit gießen sie grob fahrlässig Öl ins Feuer", sagte er. Pro-Deutschland-Chef Manfred Rouhs beharrte im Spiegel darauf, er wolle den umstrittenen Film in voller Länge in Berlin zeigen. Dabei gehe es der Gruppierung "um die Kunst- und Meinungsfreiheit".

Die SPD bewertete Friedrichs Vorstoß skeptisch. "Der erschienene Film ist ein widerwärtiges Machwerk mit dem Ziel, den Religionsfrieden zu stören und zu zerstören", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Hartmann. Ob die Vorschläge Friedrichs allerdings "sinnvoll und praktikabel" seien, "ist zu bezweifeln".

Grünen-Chef Cem Özdemir unterstützte dagegen Friedrich. "Es darf in Deutschland keine Zensur geben, dennoch ist es angebracht, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um Verfassungsfeinden unter dem Deckmantel der Menschenverachtung keine Bühne für ihre Hetzparolen zu bieten", sagte Özdemir.

Weltweit protestieren Menschen gegen den Film

Seit knapp einer Woche gibt es in der muslimischen Welt teils gewalttätige Proteste gegen den in den USA von koptischen und evangelikalen Christen produzierten Amateurfilm . In dem Film wird der Prophet Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller verunglimpft.

In Afghanistan beriefen sich die radikalislamischen Taliban nach einem Angriff auf ein Militärlager auf den Schmähfilm. Zwei Soldaten starben. In der pakistanischen Stadt Karachi skandierten 5.000 Menschen anti-amerikanische Slogans. In der türkischen Hauptstadt Ankara verbrannte eine kleine Gruppe Demonstrierender eine amerikanische Flagge vor der US-Botschaft. Auch in Australien und Frankreich kam es zu vereinzelten Kundgebungen.

In Libyen starben am Jahrestag der Anschläge des 11. Septembers 2001 der US-Botschafter und drei Botschaftsmitarbeiter während eines Angriffs auf die US-Vertretung von Bengasi – wobei unklar ist, ob diese Attacke nicht lange vor Bekanntwerden des Filmes geplant wurde. Nach dem Freitagsgebet griff im sudanesischen Khartum eine aufgebrachte Menge auch die deutsche Botschaft an und steckte sie teilweise in Brand .

Al-Kaida ruft zum Mord weiterer US-Diplomaten auf

Das Weiße Haus geht nach Informationen der New York Times davon aus, dass die wütenden Proteste in eine "anhaltende Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen" münden könnten. Bis auf eine Notbesetzung wird in Tunesien und dem Sudan alles Personal aus den Botschaften abgezogen. Am Samstag hatte das Terrornetzwerk Al-Kaida im Internet Muslime in aller Welt dazu aufgerufen, US-Botschaften zu stürmen und Diplomaten zu töten.

Auch in der bis auf Weiteres geschlossenen deutschen Botschaft in Khartum zieht das Auswärtige Amt Personal ab . Die Sicherheitskräfte würden dagegen aufgestockt, wie eine Sprecherin sagte. Außenminister Westerwelle forderte die sudanesische Regierung auf, die Sicherheit deutscher Staatsbürger zu gewährleisten. Auch der UN-Sicherheitsrat in New York rief alle von den Massenprotesten betroffenen Staaten auf, ihren internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Missionen nachzukommen

Papst Benedikt XVI. ging auch auf die jüngsten anti-westlichen Unruhen ein. "In einer Welt, wo die Gewalt ihren Todes- und Vernichtungszug unaufhörlich ausweitet, ist es eine Dringlichkeit, sich für eine brüderliche Gesellschaft, für den Aufbau der Gemeinschaft einzusetzen", sagte der Kirchenführer vor Hunderttausenden Gläubigen aus dem ganzen Nahen Osten in Beirut .

Der Vorsitzende des Obersten Rates der Religionsgelehrten und Groß-Mufti von Saudi-Arabien, Scheich Abdulasis bin Abdullah al-Scheich, mahnte die Muslime zu Besonnenheit. Sie dürften sich nicht aus Wut dazu verleiten lassen, unschuldige Menschen zu töten und öffentliche Einrichtungen anzugreifen. Wer seinem Zorn nachgebe, mache sich letztlich nur zum Erfüllungsgehilfen der Urheber des Mohammed-Films , sagte er.