Dieses Mal ist die Wand ziemlich dick, doch offensichtlich will die Ministerin hindurch. Nur einen Tag nach der öffentlichen Demütigung wählte sie mit einem Interview den größtmöglichen Aufschlag. Die Bekämpfung der Altersarmut sei eine "Frage des gesellschaftlichen Friedens". Es handele sich zudem um einen "konkreten Auftrag" im Koalitionsvertrag, mahnte die Ministerin.

Und dann kommt der Satz, den man direkt an Angela Merkel gerichtet sehen kann: "Bis Ende Oktober erwarte ich Richtungsentscheidungen." Dabei weiß auch von der Leyen, wie schwierig eine Lösung für den komplizierten Umbau des beitragsfinanzierten Rentensystems zu formulieren sein wird.

Geht Leyen zu weit?

Es ist ein Ultimatum, auf das auch die Kanzlerin reagieren muss. Von der Leyen hat mehrfach indirekt angedeutet, dass sie das Projekt der Zuschussrente an ihr eigenes politisches Schicksal knüpft. Nun unterstreicht sie, dass es ihr ernst ist. Auf einen möglichen Rücktritt bei einer Absage an ihr eigenes Rentenkonzept angesprochen, sagte die Ministerin: "Ich gehe vom Gelingen aus."

Die Ministerin weiß, dass Angela Merkel nicht daran gelegen ist, nur ein Jahr vor der Bundestagswahl schon wieder ihr Kabinett umzubilden. Das würde viel Unruhe stiften. Von der Leyen gilt als eine der wenigen weiblichen Stars im Kabinett, die Arbeitsministerin hat zudem Elterngeld und Kita-Ausbau durchgesetzt und steht so für eine moderne CDU , eventuell auch für die Zeit nach Merkel.

Deswegen fordert die Arbeitsministerin nun die Kanzlerin heraus. Doch sicher sein, dass das gut geht, kann sie sich nicht. Spätestens seit dem unfreiwilligen Abgang Norbert Röttgens ist klar, das Merkel in Personalfragen auch eiskalt sein kann .