Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) hält trotz wachsender Kritik an ihren Rentenplänen fest. "Ich habe schon einige politische Stürme erlebt und ich habe sehr gute Freunde in der Politik, die sagen: Kopf hoch, das ist ein wichtiges Thema", sagte von der Leyen Spiegel Online . Bei der Debatte über die Zuschussrente gehe es "um eine grundlegende Gerechtigkeitsfrage im Rentensystem", auf die jetzt eine Antwort gefunden werden müsste. "Diesen Kampf stehe ich auch durch", sagte sie.

Erst am gestrigen Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer Skepsis gegenüber den Plänen von der Leyens Ausdruck verliehen. Merkel war von Kabinettskreisen zitiert worden, bis zum vergangenen Wochenende habe sie die Rentenlösung noch für eine gute Lösung gehalten. "Aber je besser ich die Zahlen kenne, desto stärker wachsen meine Zweifel", sagte Merkel demnach weiter. Bis heute ist das Zitat Merkels nicht dementiert. 

Auch vom Koalitionspartner FDP kam erneut Kritik an von der Leyens Vorschlag. Die Ministerin habe sich "mit ihrem Vorstoß völlig vergaloppiert", sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring dem Handelsblatt . Die FDP lehne eine Zuschussrente ab, "die durch Beitragszahlungen der Bürgerinnen und Bürger finanziert wird", sagte Döring. Umverteilung gehöre ins Steuersystem und nicht in die Rente. Vielmehr müssten der "Vorsorgegedanke" gestärkt und die Zuverdienstgrenzen erhöht werden.

Auch Gerda Hasselfeldt , die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, kritisierte von der Leyen. "Fürsorge ist nicht Aufgabe unseres gesetzlichen Rentensystems", sagte Hasselfeldt der Passauer Neuen Presse . Die Zuschussrente sei deshalb "nicht die richtige Lösung".

Von der Leyen fordert schnelle Entscheidung

Trotzdem drängte von der Leyen im Rentenstreit weiter auf eine rasche Lösung . Bis Ende Oktober erwarte sie Richtungsentscheidungen. Zugleich schloss sie weitere Änderungen am Rentensystem nicht aus. "Aber wir müssen anschließend weitere Schritte gehen, um das System zukunftsfest zu machen", sagte sie.

Skeptisch äußerte sich die Ministerin mit Blick auf die Forderung nach einer steuerfinanzierten Grundrente. Seit mehr als 60 Jahren sehe der Generationenvertrag vor, dass die Kinder die Renten ihrer Eltern zahlen. "Würde dieser Vertrag aufgekündigt, müssten für die nächsten Jahrzehnte zwei gigantische Systeme nebeneinander fahren", gab von der Leyen zu bedenken.