Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Vorwürfe einer zu großen Nähe zur Finanzindustrie zurückgewiesen. Auch in seinen Vorträgen bei Firmen, Geldhäusern und Anwaltskanzleien habe er sich für Bankenregulierung und gegen Steuerhinterziehung eingesetzt, sagte Steinbrück im Deutschlandfunk . "Ich rede in diesen Sälen nicht anders als ich öffentlich rede." Seine Zuhörer könnten bestätigen, dass er "alles andere als ein Knecht des Kapitals" gewesen sei.

"Wenn ich bei der Deutschen Bank rede und dem Publikum und auch der Deutschen Bank – gelinde gesagt – auch einen einschenke über all das, was verkehrt gelaufen ist, dann wird man mir eine solche Nähe und eine solche Abhängigkeit nicht unterstellen können mit Blick auf das, was ich dort gesagt habe", führte der frühere Finanzminister weiter aus.

In der Debatte um Steinbrücks Nebeneinkünfte hatte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt jüngst kritisiert, es könne der Eindruck entstehen, als sei der SPD-Kanzlerkandidat der "Liebling der Spekulanten". Auch Linken-Chefin Katja Kipping ging nun mit Steinbrück hart ins Gericht. Der Zeitung Die Welt sagte sie: "Politisch, was die Inhalte angeht, steht zu befürchten, dass der Kandidat die SPD zum Appendix der Lobbyisten macht, von denen er enorme Honorare für Vorträge und Interviews bekommen hat." Steinbrück verdiente mit Vorträgen in den vergangenen drei Jahren mehrere Hunderttausend Euro.

Der Sozialdemokrat bezeichnete die Vorwürfe als "absurd" und "sehr konstruiert". "Es sind offenbar einige sehr nervös darüber geworden, dass ich Kanzlerkandidat der SPD geworden bin", sagte er. Seine Nebeneinkünfte habe er den Regeln des Bundestages entsprechend "lupenrein" ausgewiesen.

Bereits am Freitag hatte er nach massivem öffentlichem Druck angekündigt , darüber hinaus detaillierte Informationen zu seinen Honorarvorträgen offenzulegen. Dennoch äußerte er sich skeptisch zur aktuellen Debatte über die Zusatzeinkünfte von Parlamentariern. Dadurch könnten bei den Wählern Ressentiments bestätigt werden, dass Politiker sich in einem System der Vorteilsnahme und Selbstbereicherung bewegten. "Da muss man aufpassen, dass man über Parteigrenzen hinweg nicht einen Prozess in Gang setzt, der die Politik insgesamt beschädigt", mahnte Steinbrück.