Um 12.09 Uhr an diesem Donnerstag beendet eine dünne Pressemitteilung die Karriere eines treuen CSU-Mannes . "Dr. Hans Michael Strepp hat heute den Parteivorsitzenden Horst Seehofer gebeten, ihn von der Aufgabe des Pressesprechers zu entbinden. Horst Seehofer hat dieser Bitte entsprochen", heißt es knapp aus der Pressestelle der bayerischen Volkspartei, die bis dato sechs Jahre lang Strepps Arbeitsplatz war.

Der 44 Jahre alte Jurist und treue Diener der CSU ist also seinen Job los. Doch die Telefon-Affäre , wie sie die Nachrichtenagenturen inzwischen nennen, ist damit noch lange nicht aufgeklärt. In München und anderswo rätseln Politiker, Journalisten und Bürger, was wirklich hinter dem ominösen Anruf Strepps in der Redaktion der ZDF- heute -Nachrichten steckt.

Klar ist, dass der CSU-Mann sich am Sonntagnachmittag dort erkundigte, ob denn das ZDF der Kür des bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude am Abend einen eigenen Bericht widmen wolle. Um herauszufinden, wie viel Aufmerksamkeit die öffentlich-rechtlichen Sender der Oppositionspartei schenken, schickte Strepp nach Darstellung des ZDF außerdem mehrere SMS an Redakteure des Mainzer Fernsehsenders, unter anderem an den Leiter des Landesstudios München.

"Im Nachklapp könnte es Diskussionen geben"

Auch mit der ARD hatte Strepp am Nachmittag SMS-Kontakt gehabt. Ein Redakteur der ARD-Landesanstalt Bayerischer Rundfunk sagte ihm, die tagesschau plane nichts zu Ude. Was sich als Fehleinschätzung herausstellte.

Im Zuge seiner seltsamen Kommunikationsoffensive rief CSU-Mann Strepp dann auch in der heute -Redaktion des ZDF an – und landete dort im Großraumbüro. Was Strepp angeblich gesagt haben soll, fasst der Mainzer Fernsehsender so zusammen: "Weit davon entfernt in das Programm reinzureden, wolle er aber doch rechtzeitig zu bedenken geben, dass es im Nachklapp Diskussionen geben könnte, wenn das ZDF im Alleingang sende." Alleingang, weil die ARD Ude angeblich ja ignorieren würde.

"Wenn jemand beim ZDF mit Diskussionen droht, dann meint er damit die Behandlung des Falls im Programmausschuss Chefredaktion", sagt der ehemalige Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender ZEIT ONLINE . Der Programmausschuss ist Teil des ZDF-Kontrollgremiums Fernsehrat. Der Fernsehrat ist wegen seiner Besetzung mit Politikern umstritten, auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ist dort Mitglied. Der Fernsehrat soll unter anderem die Ausgewogenheit der Berichterstattung überwachen.

Ex-Chefredakteur Brender hat selbst leidliche Erfahrungen mit dem Gremium gemacht: 2010 wurde sein Arbeitsvertrag nicht verlängert, der von den Unionsparteien dominierte Rat sprach sich dagegen aus. Brender sagt, beim ZDF seien Einflussversuche durch Politiker früher Gang und Gäbe gewesen. Der aktuelle Fall "könnte der Versuch gewesen sein, im Vorfeld der Bundestags- und Landtagswahl wieder mehr Einfluss auf die Berichterstattung zu gewinnen."

Strepp bestreitet das. Tatsächlich kommt es oft vor, dass Parteisprecher und Journalisten miteinander telefonieren. Sie fragen nach, wann Berichte erscheinen oder ob die Reporter zu einem bestimmten Pressetermin kommen. Von Beeinflussung kann hier nicht die Rede sein. Allerdings ist es unüblich, dass ein Sprecher sich in der Redaktion erkundigt, wie die Journalisten denn über eine andere Partei berichten.