Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner hat mit Blick auf mögliche Koalitionspartner nach der Bundestagswahl 2013 die SPD scharf attackiert. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung warf er den Sozialdemokraten vor, sich unter dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel politisch nach links bewegt zu haben. "Damit fällt die SPD nicht nur als Gesprächspartner für die FDP aus, sondern stellt vielmehr eine Gefahr für Deutschland dar", sagte Lindner.

Gabriel hatte vor wenigen Tagen durchblicken lassen, dass sich die Rente mit 67 angesichts des Fachkräftemangels möglicherweise nicht mehr in der geplanten Weise durchsetzen lasse . Das Rentenalter hatten SPD und Union in der 2009 abgewählten Großen Koalition gemeinsam erhöht.

Für die Wahl in einem Jahr hatte die SPD vor wenigen Tagen den früheren Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten ausgerufen. Lindner nannte ihn in dem Interview eine "respektable Persönlichkeit". Ob er aber ein Gesprächspartner für die FDP sei, "muss sich erst noch zeigen", betonte Lindner.

Schädliche Politik Hollandes

Weil die FDP bei Umfragewerten um die Fünfprozenthürde pendelt , würde es bei der Wahl aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr für eine Koalition mit der Union reichen. Potenzielle weitere Partner wären SPD und Grüne . Seit Längerem schwelt in der Partei daher auch die Diskussion über eine Ampelkoalition.

Lindner versucht, dies zu unterbinden: "Solange die SPD sich weiter auf einem Kurs weg von der Agenda 2010 bewegt und sich an der schädlichen Politik von Frankreichs Präsident François Hollande orientiert, sehe ich keine ausreichende Gesprächsgrundlage", sagte er. In Frankreich hatte im Frühjahr mit François Hollande nach der Abwahl des konservativen Nicolas Sarkozy ein Sozialdemokrat die Macht übernommen.

Auch nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle macht die Kanzlerkandidatur Steinbrücks eine Öffnung der Liberalen zu neuen Bündnissen nicht leichter. Steinbrück sei eine respektable Persönlichkeit, sagte Brüderle der Passauer Neuen Presse. Doch das Programm der SPD stehe auf einem ganz anderen Blatt. "Da sehe ich keine ausreichenden Schnittmengen mit der FDP."