In der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan gibt es Forderungen nach einem Rücktritt der CDU-Politikerin – wenn sich der Verdacht der Täuschung erhärtet. "Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, frage ich mich, wie ausgerechnet die für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerin ihr Amt noch glaubwürdig ausüben will", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth dem Kölner Stadt-Anzeiger . Allein der Verdacht einer wissentlichen Täuschung wiege angesichts der Vorbildfunktion schwer. Schavan müsse "die von ihr selbst gesteckten Maßstäbe und die Kriterien seriöser Forschung besonders penibel erfüllen". Vielen sei Schavans "Fremdschämen" im Fall Guttenberg noch in Erinnerung.

Auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann erinnerte die Ministerin an ihre damaligen Aussagen: Schavan müsse sich an ihren eigen Maßstäben messen lassen. Mahnende Worte kamen auch von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast . Sie warf Schavan in der Rheinischen Post vor, die Sache "aussitzen" zu wollen. Eine Wissenschaftsministerin müsse die Regeln ehrlichen wissenschaftlichen Arbeitens hochhalten.

Anlass für den Unmut ist Schavans Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" von 1980. Plagiatsjäger hatten der Ministerin vorgeworfen, weite Passagen nicht korrekt mit Quellenangaben versehen zu haben. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf leitete daraufhin – auch auf Bitte der Politikerin – eine Prüfung ein. Inzwischen wurde bekannt, dass das entsprechende Gutachten des Vorsitzenden des zuständigen Promotionsausschusses der Universität Düsseldorf "eine leitende Täuschungsabsicht" feststellt . In Schavans Arbeit sei das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" erkennbar.

Schavan selbst wies den Täuschungsvorwurf empört zurück und besteht auf einer Anhörung. Unterstützung erhält sie nicht nur von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kabinettskollegen wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière , sondern auch von ihrem Doktorvater und führenden deutschen Wissenschaftlern. "Die Arbeit entsprach absolut dem wissenschaftlichen Standard", sagte Schavans Doktorvater, der Pädagogikprofessor Gerhard Wehle der Rheinischen Post . Er habe Schavan als "ehrlichen Menschen" kennengelernt. "Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?", fragte der 88-Jährige. Im Übrigen dürfte eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 nicht ausschließlich nach heutigen Maßstäben bewertet werden.

Auch mehrere Forscher kritisierten den Verlauf des Plagiatsverfahrens und das Gutachten. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte der Süddeutschen Zeitung , es sei "skandalös", dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den schwerwiegenden Vorwürfen erfahren habe. "Es gab schwere Fehler in dem Verfahren – die Universität sollte nun eine zweite Person bitten, die Vorwürfe sachlich zu prüfen", forderte er. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft ( DFG ), Matthias Kleiner, zeigte sich darüber "irritiert", der Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, "verwundert".

Für den Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder ist die Sache dagegen eindeutig: Schavan könne in der akademischen Welt so nicht mehr als Vorbild dienen und hält ihren Rücktritt deshalb für zwingend notwendig. "Die Union muss Druck machen, damit sie tatsächlich ihr Amt verlässt", sagte der Gründer des Recherchenetzwerkes VroniPlag . "Eine Bundesbildungsministerin muss in ihrer akademischen Laufbahn blütensauber sein." Wenn Schavan im Amt bleibe, schade das dem Ansehen der Politiker insgesamt.