FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat es abgelehnt über ein Bündnis aus SPD , Grünen und FDP nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr zu spekulieren. "Nur weil die SPD jetzt einen konservativ anmutenden Kanzlerkandidaten hat, erhöht sich nicht die inhaltliche Nähe", sagte er der Rheinischen Post . Die SPD wolle die Staatsschulden Europas den Deutschen aufladen, mehr Umverteilung durch neue Steuern und bekenne sich nicht zum Ziel, auf Verschuldung zu verzichten, kritisierte Döring. "Wie sollen da Liberale mitmachen?"

Der Zeitung zufolge hat auch FDP-Chef Philipp Rösler intern deutlich gemacht, dass er die Koalition mit der Union fortsetzen wolle und dies im Wahlkampf deutlich kommuniziert werden sollte. Gerade in der Europapolitik könne die FDP nicht mit der SPD zusammengehen, zitierte ihn das Blatt.

Damit findet ein Jahr vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 die Debatte über mögliche zukünftige Regierungskoalitionen neue Nahrung. So versteift sich der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nur auf eine mögliche Option: Rot-Grün , die Wiederauflage der Regierung unter Gerhard Schröder von 1998 bis 2005.

Damit sieht er sich einig mit seinem Vorsitzenden. Beide Parteien hätten "einen großen Vorrat an Gemeinsamkeiten, wenn es darum geht, wirtschaftliche Kompetenz, soziale Sicherheit und ökologische Vernunft zueinander zu bekommen", sagte Sigmar Gabriel . Die schwarz-gelbe Koalition sei "wirklich ein schlimmes Beispiel dafür, die zeigt, dass nur rechnerische Gemeinsamkeit eben nichts bringt. Man muss inhaltlich gemeinsam arbeiten können."

Ob dies allerdings auch für die Partei gilt, ist selbst für einige Sozialdemokraten fraglich. "Jetzt braucht es auf beiden Seiten Disziplin – beim Kandidaten und in der Partei", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Carsten Schneider , und verwies damit auf die bevorstehenden internen Debatten über die inhaltliche Ausrichtung der Partei . Nur wenn sich alle geschlossen hinter Steinbrück stellen, hätte die SPD eine Chance, die Bundestagswahl zu gewinnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei als Kanzlerin eine "schwer zu schlagende Kandidatin".

Unterdessen räumte der Koordinator der SPD-Linken Ralf Stegner im ZDF- Morgenmagazin ein, dass Steinbrück nicht der Wunschkandidat der Parteilinken gewesen sei. Um Merkel zu schlagen, sei er aber "eine gute Wahl". Jetzt gehe es vor allem darum, die Partei, das Programm und den Kandidaten zusammenzubringen. "Wir wollen nicht die halbtote Linkspartei im Westen wieder neu beleben", sagte der Chef der schleswig-holsteinischen SPD. Steinbrücks Gegner seien "nicht in der Partei", fügte er hinzu.

Auch Gabriel ist sich sicher, dass die gesamte Partei ihren Kandidaten unterstützen wird. "Es gibt ein geschlossenes SPD-Programm. Dafür stehen wir, und dafür steht auch Herr Steinbrück", sagte er. "Aber der Peer Steinbrück kann eben auch noch ein bisschen mehr. Er kann eben auch Menschen überzeugen weit hinaus über die eigenen Parteigrenzen." Steinbrück wisse in puncto soziale Gerechtigkeit genau, "was im Land los ist", sagte Gabriel. "Und uns geht es insgesamt wieder darum, dass wir das Land in ein neues soziales Gleichgewicht bringen." 

Am vergangenen Freitag hatte die SPD-Spitze bekanntgegeben, dass sie mit dem früheren Bundesfinanzminister an der Spitze in den Bundestagswahlkampf ziehen will. An diesem Montag soll ihn der SPD-Vorstand offiziell nominieren. Es wird mit einer breiten Zustimmung zum Personalvorschlag des SPD-Vorsitzenden gerechnet. Am 9. Dezember schließlich soll in Hannover die endgültige Kür Steinbrücks durch einen Sonderparteitag folgen. Generalsekretärin Andrea Nahles rechnet mit einer breiten Zustimmung der Genossen. "Steinbrück ist der beste Mann. Er verfügt vor allem in Wirtschafts- und Finanzfragen über großen Sachverstand ", sagte sie dem Radiosender NDR Info.

Ein weiteres Thema der Vorstands-Sondersitzung wird erneut das Rentenkonzept im Kampf gegen die wachsende Altersarmut sein. Umstritten ist dabei der Passus über das Absinken des Rentenniveaus auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns bis 2030. Die Parteilinke fordert eine Beibehaltung des jetzigen Niveaus von rund 50 Prozent, was aber zweistellige Milliardensummen pro Jahr kosten könnte und für einen Kanzlerkandidaten Steinbrück kaum vertretbar sein dürfte.

Stegner sieht hierbei durchaus Chancen zu einem "differenzierten" Kompromiss – und zeigte zugleich Verständnis für Steinbrücks Forderung nach "Beinfreiheit" im Wahlkampf : "Man kann einen Kandidaten nicht verändern. Der muss authentisch sein, wenn er eine Chance haben will." Dem stimmte der Vorsitzende der Bayern-SPD, Florian Pronold , zu. "Wir werden ihm große Freiheit gönnen", sagte er im SWR.