Hans Michael Strepp hat den Parteivorsitzenden Horst Seehofer gebeten, ihn von den Aufgaben des Pressesprechers zu entbinden. Das teilte die CSU in einer Presseerklärung mit. Seehofer habe der Bitte entsprochen. Strepp zieht damit die Konsequenzen aus den Vorwürfen, er habe versucht, Einfluss auf die Berichterstattung des ZDF zu nehmen.

Jetzt wurden Details aus Strepps Anruf bei der heute-Redaktion bekannt. Das ZDF zitierte den Redakteur, der das Telefonat mit Strepp führte, wie folgt: "Er fragte, ob wir wüssten, dass weder die ARD noch Phoenix über den SPD-Landesparteitag berichten würden. Er sei informiert, dass wir einen Beitrag planten. Weit davon entfernt in das Programm reinzureden, wolle er aber doch rechtzeitig zu bedenken geben, dass es im Nachklapp Diskussionen geben könnte, wenn das ZDF im Alleingang sende."

ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagte, der Anruf sei "eindeutig gewesen". Strepp habe auf verschiedenen Wegen versucht, die Berichterstattung des Senders zu beeinflussen. Er müsse nun die Frage beantworten, warum und mit welcher Intention er direkt in der Redaktion angerufen habe, sagte Frey. "Als Chefredakteur bin ich jedenfalls mit der Reaktion der Kollegen sehr zufrieden: Wir senden, was wir senden, egal wer anruft."

Dass die Intention des Anrufs von Strepp der Versuch einer Beeinflussung war, ergibt sich für das ZDF nicht nur aus der Schilderung des Telefonats, sondern auch durch eine SMS des CSU-Pressesprechers vom frühen Sonntagmorgen an den Leiter des Landesstudios in München, Ulrich Berls. Darin habe sich Strepp nach dem geplanten Umfang der "Berichterstattung Ude" erkundigt. Eine weitere SMS sei an den Leiter der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles gegangen.

SMS ging auch an die ARD

Bei der ARD hat sich Strepp offenbar ebenfalls gemeldet: Der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, bestätigte, einer der drei vom Bayerischen Rundfunk (BR) entsandten Hauptstadtkorrespondenten habe eine SMS von Strepp erhalten.

Auf dem Delegiertentreffen am Sonntag war der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013 gekürt worden. Er will im kommenden Jahr CSU-Chef Horst Seehofer als Ministerpräsident in Bayern ablösen. Die CSU hatte zuvor einen zweitägigen Parteitag in München veranstaltet.